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Schlimmer geht's immer

What's the Worst That Could Happen. USA 2001. R: Sam Weisman. B: Matthew Chapman. K: Anastas N. Michos. S: John Axelrad, Garth Craven, Nick Moore. M: Tyler Bates. P: MGM u.a. D: Martin Lawrence, Danny DeVito, John Leguizamo, Glenne Headly u.a.
97 Min. Fox ab 13.12.01

Boykottwürdig

Von Carsten Tritt Es ist schon faszinierend, welchen ungeahnten Einfluß die deutsche Filmkunst auf Hollywood hat. Erinnern Sie sich etwa noch an die grandiosen Ilja Richter/Rudi Carrell-Komödien von Franz Josef Gottlieb? Wahrscheinlich nicht, denn wenn Sie zu unseren älteren Lesern gehören, waren Sie wahrscheinlich viel zu beschäftigt damit, in Diskussionsgruppen herumzusitzen und Pflastersteine auf Polizisten zu schmeißen, und die jüngere Generation glaubt ja sowieso, der deutsche Film bestand in den 70ern nur aus Wenders- und Schlöndorff-Laberfilmen.

Also, um Sie jetzt mal aufzuklären: Es gab in den 70ern eine interessante Bewegung von deutschen Experimentalfilmern um F. J. Gottlieb, Rudolf Zehetgruber und Franz Marischka, die versuchten, mit den ältesten Gags der Welt und unter konsequentem Leugnen jeder Handlung den ultimativen Anti-Film zu drehen. Die Story sah dann in der Regel so aus, daß zwei Helden, die z.B. Ilja und Rudi hießen, ganz viel Geld in einem Mantel vergessen hatten und dann jede Menge uninteressante Abenteuer bestehen müssen, in der Hoffnung, den Mantel wiederzuerlangen.

Natürlich waren diese Filme ihrer Zeit weit voraus und wurden von der breiten Masse des Publikums und auch der Filmkritik nicht verstanden. Nun aber, gut dreißig Jahre später, fand sich ein weiser Mann aus Hollywood, der sich folglich auch Sam Weisman nennt und dem wir bereits Meisterwerke wie Mighty Ducks 2 – Das Superteam kehrt zurück verdanken, und adaptierte das deutsche Konzept für den amerikanischen Zuschauer.

Der Handlungsansatz: Ein Gentlemandieb (gespielt von Martin Lawrence, eine Art junger Peter Alexander) versucht einen Millionär (Danny DeVito als etwas rundlicher Gunther Philipp) zu bestehlen, wird aber dann von diesem selbst beraubt, nämlich wird ihm ein Ring entnommen, der ihm von seiner Freundin geschenkt wurde. Dies alles und auch kein bißchen mehr dient als Grundlage für 97 Minuten Abenteuer und Verwicklungen, bis unsere zwei Starrköpfchen lernen, daß Freundschaft viel wichtiger ist als so ein doofer Ring und die beiden ganz dolle Kumpels werden.

Nun stellt sich allein die Frage, warum sich der deutsche Verleih die Mühe macht, What's the Worst That Could Happen ins Deutsche zu synchronisieren, statt einfach die Originale wie Tante Trude aus Buxdehude neu im Kino zu starten. Zumindest Die Supernasen könnte man doch wieder mal zeigen! (Die Supernasen werden in diesem Film übrigens auch zitiert, wenn Martin Lawrence sich als arabischer Scheich verkleidet, um irgendwo reinzukommen, lustig.) Aber nö! Statt dessen gibt's nur die nachgemachte US-Version. Und deswegen schlage ich hiermit vor, daß wir alle diesen Film boykottieren und uns statt dessen noch mal Außer Rand und Band am Wolfgangsee (Franz Antel, 1971) auf Video angucken. Denn so schlecht wie die Amis können wir doch schon lange! 1970-01-01 01:00
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