— — —   DER SCHNITT IST OFFLINE   — — —

Schlaflos in New York

The Out-of-Towners. USA 1999. R: Sam Weisman. B: Neil Simon, Marc Lawrence. K: John Bailey. S: Kent Beyda. M: Alyson Palmer, Marc Shaiman. P: Paramount u.a. D: Steve Martin, Goldie Hawn, John Cleese u.a.
90 Min. UIP ab 16.12.99
Von Thomas Waitz Irgendwann, nachdem schon ziemlich viel schief gelaufen ist, versucht Henry Clark, der von Steve Martin lustlos verkörperte Held eines grundlos verschnarchten Filmes, eine Dose Cola zu kaufen. Er geht, eher unschlüssig, an den in einer Bahnhofshalle aufgestellten Wurlitzerautomaten. Wir wissen aus dem Telekolleg Filmklischees: Die Münze wird das Gerät annehmen, die Cola wird es für sich behalten. Was wirklich verblüfft, ist hingegen, wie es die Filmemacher auf eine grandiose wie unnachahmliche Weise hinbekommen, den doch offenliegenden komischen Moment in keinster Weise zu nutzen. Wie die Colabüchse, so ist der Humor des ganzen Films eins, nämlich: verklemmt und darüberhinaus schlicht altmodisch – was keinesfalls als Kompliment zu verstehen ist. Das ist die ermüdende Logik von Schlaflos in New York: Immer geht was schief. Nie ist es lustig.

Schlaflos in New York gehört zu einer großen Gruppe von Filmen, die dem allesumfassenden Prozeß der gesellschaftlichen Modernisierung eine humorvolle Seite abzutrotzen versuchen. Der Colaautomat wird ja nur deswegen als (gleichwohl komödiantisch ausschlachtbares) Problem empfunden, weil niemand in der Nähe ist, der für die Panne verantwortlich gemacht werden kann. Eben das: die Nichterreichbarkeit und Nicht-Sichtbarkeit von Entscheidungsträgern ist hingegen ein grundlegendes Kennzeichen der Moderne.Wenn Henry den Automaten dann einfach stehen läßt und sich nicht kümmert, heißt das – im Kontext des Gesamtfilms – nichts anderes, als die Herausforderung, die eine moderne Welt impliziert, schlichtweg zu verneinen.

Der gute Henry und seine dümmliche Frau Nancy (Goldie Hawn) sind die beiden vertrottelten Vorstädter des Originaltitels und repräsentieren in ihrer Anlage eine Zielgruppenansprache, die sich unverholen an Menschen wendet, die wie die Protagonisten ihre Lebensmitte und den Zenit ihrer geistigen Anpassungsfähigkeit weit hinter sich gelassen haben. Auf dem Weg, den die beiden wegen eines Vorstellungsgesprächs, daß Henry in New York haben wird, zurücklegen, sind einige »turbulente Abenteuer« (Pressetext) zu bewältigen, freilich, und das erschwert die Sache ungemein, im Kontext eines braven und biederen Films, der durch und durch politisch korrekt ist. Ein Film, in dem New York zu einem Ansichtskartenmotiv degeneriert ist. In dem selbst Handtaschendiebe sauber und korrekt sind. In dem alles so falsch, so künstlich, so verlogen ist, daß das, was bleibt, eine qualvoll erzählte, vermasselte Aneinanderreihung von Witzen ist – ohne… nun ja: ohne den eigentlichen Witz. 1970-01-01 01:00
© 2012, Schnitt Online

Sitemap