Da steht ein Pferd auf dem Flur
Von Dietrich Brüggemann
Ein Busfahrer, vormals Chirurg in der DDR, dann aus politischen Gründen aus dem Beruf entfernt, chauffiert auf seiner letzten Fahrt eine Frau, die in einem Koffer einen kleinen vietnamesischen Jungen schmuggelt, wird dann von seiner Mutter überredet, sich eine ausländische Frau zu kaufen, gerät dabei wieder an besagte mysteriöse Dame mit dem Jungen, die ihm aber gleich wieder weggenommen wird, worauf er sich mit Kriminellen anlegt, und zwischendurch kommt immer wieder ein Pferd vor.
Alles klar? Nein?
Dann wäre das Problem schon ganz gut eingekreist. Autor und Regisseur Pepe Planitzer nimmt sich viel vor und hat auch viele schöne Einfälle. Doch bei den zentralen, grundlegenden Dingen hat der Film fatale Defizite. Um wen geht es? Wo will er hin? Und wie, bitteschön, verläuft die Geschichte? Keine der Figuren wird so ernst genommen, daß man sie ernst nehmen könnte, stattdessen darf man einer Story-Maschine zusehen, die scheppernd und ächzend ihren Dienst versieht. Gerade bei dem dramaturgischen Professionalismus, der hierzulande gern behauptet wird, erscheint es verwunderlich, wie dieser Film überhaupt in Produktion gehen konnte. Das Buch hat Potential, ist aber konfus wie ein Zettelkasten.
Aber vielleicht war die Vorlage auch besser, als der Film uns glauben machen will, denn das zweite Problem, neben einer übermotiviert schärfenziehenden Kamera, ist Planitzers planlose Regie. Keiner der Schauspieler findet sich in seiner Rolle zurecht, die Szenen haben keinen Anfang, kein Ende und keinen Höhepunkt, Schnittrhythmus stellt sich auch keiner ein, die Musik klingt wie im Schneideraum vorläufig, aber nachlässig angelegt – man hat insgesamt das Gefühl, die erste Rohschnittfassung einer Filmübung auf Basis eines groben Handlungsentwurfs gesehen zu haben. Da hilft auch das Pferd in der Wohnung nicht mehr weiter und das kulleräugige, angestrengt geheimnisschwangere Klischee-Kind erst recht nicht.
Bei aller Liebe zum deutschen Kino: Wenn wir für den Weltmarkt produzieren wollen, sollten wir uns vorher von dieser Sorte Dilettantismus verabschieden.
1970-01-01 01:00