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Schau mich an!

Comme une image. F 2004. R,B,D: Agnès Jaoui. B: Jean-Pierre Bacri. K: Stéphane Fontaine. S: François Gédigier. M: Philippe Rombi. P: Les Films A4. D: Marilou Berry, Jean-Pierre Bacri, Keine Bouhiza, Laurent Grévill, Virginie Desarnauts u.a.
110 Min. Prokino ab 18.11.04

Lolita und die überflüssigen Pfunde

Von Frank Brenner Von Patricia Cardoso haben wir dieses Jahr in ihrem gleichnamigen, unabhängig produzierten US-amerikanischen Film schon erfahren dürfen, daß echte Frauen Kurven haben und sich ihrer vermeintlich überflüssigen Pfunde keinesfalls zu schämen brauchen, sondern mit Selbstbewußtsein und Lebensfreude genau so sein sollen, wie sie eben sind. Agnès Jaoui hat für ihren neuen Film Schau mich an! ebenfalls eine üppige junge Frau in den Mittelpunkt gestellt. Lolita (die sympathisch-niedliche Marilou Berry) hat aber keinesfalls nur unter ihrer Leibesfülle zu leiden. Denn diese kommt natürlich auch nicht von Ungefähr. Ihr Vater (Ko-Drehbuchautor und Jaoui-Ehemann Jean-Pierre Bacri) ist nämlich ein berühmter Schriftsteller und Verleger, der sich viel lieber mit seiner jungen Frau und seiner 5jährigen Tochter brüstet als sich auch nur im geringsten für Lolitas Leben zu interessieren. Zudem hat die übergewichtige Frau den begründeten Verdacht, daß viele ihrer Freunde nur deshalb ihre Nähe suchen, weil sie aus der Bekanntschaft mit ihrem prominenten Vater Profit schlagen wollen.

Jaouis unterhaltsame Komödie hat somit auch einige Parallelen zu Valeria Bruni Tedeschis ebenfalls dieses Jahr im Kino gestartetem Regiedebüt Eher geht ein Kamel durchs Nadelöhr – denn in beiden Fällen versucht sich die Protagonistin, vom Reichtum und der einflußreichen Prominenz ihres Elternhauses freizuschwimmen. Aber mangelnde Originalität soll Schau mich an! damit keinesfalls unterstellt werden. Jaoui weiß ganz genau, wie man ein Publikum mit einer realitätsnahen, seine Charaktere ernstnehmenden Geschichte auch noch witzig-charmant unterhalten kann. Nicht nur Lolita, sondern auch die anderen, ihr privates Universum bevölkernden Figuren sind trefflich gezeichnet, und es macht Spaß, ihre Entwicklung zu verfolgen und sich an ihren Patzern zu erfreuen.

Jaoui selbst spielt einmal mehr eine dieser Nebenfiguren, die als Ensemble gemeinsam die zweite Hauptrolle belegen. Ihre Sylvia ist die Gesangslehrerin Lolitas, die mit einem aufstrebenden Schriftsteller verheiratet ist, dem die Bekanntschaft mit Lolitas Vater ebenfalls ganz gelegen kommt. Des weiteren gibt es da noch Mathieu, den Lolita begehrt, der sich mit ihr aber nicht binden möchte, und Sébastien, der seinerseits ein Auge auf Lolita geworfen hat, was diese aber überhaupt nicht realisiert. Jaoui und Bacri haben ein Drehbuch geschaffen, das vor gelungenem Dialogwitz und netter Situationskomik strotzt, ohne daß die dahintersteckende kritische Komponente verlorengehen würde. Ein intelligenter Spaß, der durchweg auch noch ausgezeichnet gespielt ist. 1970-01-01 01:00
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