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Der Schatzplanet

Treasure Planet. USA 2002. R: Ron Clements, John Musker. B: Ken Harsha, Barry Johnson u.a.. M: James Newton Howard. P: Walt Disney Pictures.
95 Min. Buena Vista ab 5.12.02
Von Matthias Grimm Das Prinzip des »Westward Ho!«, das Aufbrechen in ferne Gefilde und das Besiedeln der Wildnis, das Schaffen einer neuen Heimat, ist ein uramerikanischer Mythos, der bis tief in die Gegenwart hineinreicht. Heute wird nicht mehr der amerikanische Westen besiedelt – da sitzt schon fett und breit die Filmindustrie – sondern der Weltraum, erst der Mond, demnächst vielleicht der Mars: Das »Westward Ho!« wich einem »Boldly Go«. »Star Trek« war in seiner Anfangsphase explizit als moderne Version dieses Mythos' angelegt und vertritt diesen in seiner jüngsten Inkarnation »Enterprise« bis heute.
In Wirklichkeit aber ist der Mythos ein europäischer, einer, der mit Segelschiffen, Piraten und Schätzen begonnen hat, und wahrscheinlich nur vergessen wurde, weil wir statt der »Final Frontier« da draußen nur Skorbut und … Amerika fanden.

Nichtsdestotrotz: Zu erkennen, daß diese beiden Prinzipien von Grund auf identisch sind, macht den Reiz und die Atmosphäre von Der Schatzplanet aus, der überraschend gut funktioniert, eben weil er den einen Mythos in den anderen hineintransformiert und sich dieser Kombination hingibt. So sind die Raumschiffe in der Neuinterpretation von Stevensons »Schatzinsel« keine futuristischen High-Tech-Vehikel, sondern alte Segelschiffe, die sich aller »physical correctness« zum Trotz durch die unendlichen Weiten bewegen; die Gebäude sind heruntergekommene Holzhütten mit Landungsstegen, und die Waffen sehen aus, als ob sie aus einem Errol Flynn-Film abgemalt wurden, nur daß sie eben Laserstrahlen verschießen.

Dies hilft den Disney Studios, sich nach den verkrampften Neuerfindungsversuchen eines Lilo & Stitch oder Atlantis: The Lost Empire wieder auf das zu besinnen, was die Filme zu ihrer besten Zeit ausmachte und worin eindeutig die Stärke dieser Art von Film besteht: Das Ersinnen skurriler Figuren und Situationen, die sich in einer hauchdünnen, da dem Zuschauer bekannten und deshalb aufs Minimalste reduzierten Handlung bewegen. Das mag für einen Film ein bisserl wenig sein, ist aber streckenweise witzig, originell und unterhaltsam, und mehr soll und wird es wahrscheinlich auch nicht sein. Wer's nicht mag, soll es bleiben lassen. Daß sich Disney doch noch zum Positiven neu erfindet, werden wir zumindest bestimmt nicht mehr erleben. 1970-01-01 01:00
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