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Schattenväter

D/F 2005. R,B: Doris Metz. K: Sophie Maintigneux. S: Gaby Kull-Neujahr. M: Markus Stockhausen. P: Pan European Pictures, ZDF, arte.
92 Min. Movienet ab 10.11.05

Rückblicke

Von Frank Brenner Der eine ist seit mehreren Jahren in der deutschen Theaterszene fest verwurzelt und hat sich mittlerweile auch als Darsteller in Fernsehspielen einen Namen gemacht. Der andere ist viel weniger ein Mann der Öffentlichkeit, hat aber seine persönlichen Erinnerungen nun zu Papier gebracht und ist damit auf Lesetour unterwegs. Für beide Männer änderte sich ihr Leben in den Monaten April und Mai des Jahres 1974 radikal, als ihre Väter widerwillig mit ihren bisherigen Lebensläufen brechen mußten. Matthias Brandt war 12 Jahre alt, als sein Vater und damaliger Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland seinen Rücktritt bekanntgeben mußte, Pierre Guillaume war 17, als man seine Eltern als Stasispitzel an der Seite Willy Brandts verhaften ließ.

Doris Metz hat in ihrem Dokumentarfilm Schattenväter das Porträt jener Söhne gezeichnet, deren Leben lange Jahre im Schatten der bekannten Erzeuger standen. Beiden ist zudem gemeinsam, daß sie ihre Väter nie wirklich kennenlernten, nie wirklich aus ihnen schlau wurden und sich häufig von ihnen im Stich gelassen fühlten. Die Regisseurin hat mit den beiden Protagonisten unabhängig voneinander wichtige Orte der Vergangenheit aufgesucht. So streift sie zusammen mit Matthias Brandt durch die leerstehenden Räume der alten Brandt-Villa Venusberg in Bonn oder mit Pierre Guillaume durch das Gästehaus des Ministeriums für Staatssicherheit, das Guillaume und seiner Familie nach deren Austausch in den frühen 80er Jahren zur Verfügung gestellt wurde. Über die politischen Hintergründe und die Väter an sich erfährt man in Doris Metz' Film relativ wenig.

Die Regisseurin hat ihren Fokus eindeutig auf die Söhne gerichtet, die mit ihren persönlichen Eindrücken, Kommentaren und Erinnerungen den Großteil der Spielzeit bestreiten. Dem damaligen Alter angemessen sind diese Rückblicke von einer zum Teil kindlichen Naivität geprägt und richten sich eher auf spielerische Details denn auf weltpolitische Belange. Aber gerade aus dieser Unbekümmertheit, mit der die beiden Männer aus ihren privaten Anekdoten berichten, zieht der Film seinen eigentlichen Reiz und seine Originalität. Wenn Matthias Brandt von einem publicitywirksamen Fahrradausflug seines Vaters mit Herbert Wehner berichtet, der in einem Desaster endete oder sich Pierre Guillaume wieder vor Augen führt, wie er einst Zeuge der Produktion eines Lehrfilmes für die Stasi im Haus seiner Eltern wurde, dann wirken derartige Geschichtchen viel länger und unterhaltsamer nach, als es trockene Fakten jemals gekonnt hätten. 1970-01-01 01:00
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