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Scharfe Täuschung

Deceiver / Liar. USA 1997. R,B: Jonas Pate, Joshua Pate. K: Bill Butler. S: Dan Lebenthal. M: Harry Gregson-Williams. D: Tim Roth, Chris Penn, Michael Rooker, Renee Zellweger, Rosanna Arquette, Ellen Burstyn u.a.
102 Min. Jugendfilm ab 16.7.98
Von Felix Seifert Drei Männer. Zwei sind Polizisten, der Dritte, John Walter Wayland (Tim Roth), der Verdächtige in einem Mordfall. Ein Lügendetektor soll seine Schuld und die gute Nase der beiden Detektive Kennesaw (Michael Rooker) und Braxton (Chris Penn) beweisen. Doch ihr Gegenüber erweist sich als harte Nuß: Wayland, ausgestattet mit hohem IQ und Psychologiestudium, führt die beiden Polizisten durch neue, revidierte oder ge»liar«te »Geständnisse« immer wieder auf falsche (und richtige) Fährten und spielt sie durch Wissen über ihr Privatleben (Kennesaws Eheprobleme und Braxtons Spielschulden) gegeneinander aus.

Der zweite Film der Pate-Brüder (nach ihrem Debüt The Grave) wird streckenweise Opfer seiner eigenen Ambitionen: Zu viele – zweifelsohne gute – Ideen und Handlungsstränge werden in die 100 Minuten gepreßt. Wayland zum Beispiel: nicht nur Psycho-Duellist im Verhör, nö, auch noch Epileptiker mit Drogenproblemen, einer gestörten Vaterbeziehung und Halbweltverbindungen. Die Ideen werden zwar atmosphärisch großartig eingeführt (mit Rückblenden und vielen Kameraspielereien des Veteranen Bill Butler), jedoch selten zu einem integralen Ende gebracht. So wird das Verwirrspiel Waylands um Lüge und Wahrheit auch zum Verwirrspiel für den Zuschauer. Der gezwungene Schluß ist typisch: zum einen Teil lächerlich (Kennesaw macht auch einen Detektortest und wird von Wayland verhört!), zum anderen aufgesetzt und unlogisch (Pseudo-Showdown inklusive Waffenrumfuchteln).

Ansonsten macht Liar Spaß und läßt für die Zukunft der Pates hoffen; sie müssen es nur noch schaffen, ihre ganzen Ideen in einer geradlinigen Story zu bündeln, den Rest beherrschen sie bereits. Außerdem freut es immer, den gewohnt guten Michael Rooker (Henry – Portrait of a Serial Killer) auf der Leinwand zu sehen, und über die schauspielerischen Qualitäten von Penn und Roth läßt sich eh nicht streiten. 1970-01-01 01:00

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #11.
© 2012, Schnitt Online

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