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Saw

USA 2004. R,B: James Wan. B,D: Leigh Whannell. K: David Armstrong. S: Kevin Greutert. M: Charlie Clouser. P: Burg, Koules, Hoffman. D: Cary Elwes, Danny Glover, Monica Potter, Michael Emerson u.a.
Kinowelt ab 3.2.05

Auch Mörder wollen leben

Von Katja Spranz Die Kategorie für diesen Film kann nur eine sein: Splatter. Hier gibt es keine Sozialkritik, keine Metapher auf das Böse in der Welt, symbolisiert durch einen Serienmörder, der am Ende nur »das Diabolische im Menschen« deutlicher macht als andere. Hier ist der Killer einfach nur Killer. Der Zuschauer wird durch diesen Film sicher nicht zum Rechtsphilosophen oder zum Nachdenken über die »Banalität des Bösen« angeregt (es gibt ja durchaus Horrorfilme, die diesen Anspruch – quasi als Rechtfertigung – für sich erheben).

Die Geschichte ist diese: Der Jigsaw-Mörder will seine Opfer – angeblich – dazu bringen, das Leben zu schätzen, indem er droht, es ihnen wegzunehmen. Er entführt Junkies und Unzufriedene aller Art. Die Opfer wachen irgendwo auf, gefangen in heruntergekommenen Räumen, und müssen dann »Aufgaben« erfüllen, um sich das Leben zu retten, was aber kaum jemand schafft. So mußte beispielsweise die einzig Überlebende einen betäubten Mann aufschlitzen, in dessen Magen sich der Schlüssel befand, mit dem sie sich von einer todbringenden Maske befreien konnte. So geschieht es auch Arzt Lawrence und Fotograf Adam: Sie erwachen an den Füßen angekettet in einem verrotteten Raum. Zwischen ihnen liegt ein Toter in einer Blutlache. Überall im Raum sind Hinweise verteilt. Jigsaw hat Frau und Tochter des Arztes in seiner Gewalt und teilt den beiden über ein Diktiergerät mit, daß nur einer von ihnen überleben kann: Erst müsse sich jedoch einer den Fuß absägen, um an die Pistole zu gelangen

Bei dieser Geschichte geht es einfach nur um das sinnfreie Gruseln, den Horror angesichts der grausamen Taten. Die Morde sind wirklich ziemlich ekelhaft und wecken beim Zuschauer das blanke Entsetzen (Ko-Autor und Darsteller Leigh Whannell dazu: »Ich konnte Jigsaw seine Opfer ja nicht zu einer nächtlichen Runde ›Twister‹ einladen lassen. Die Spiele, die er sich ausdenkt, müssen nun mal Hardcore sein.«). Während die beiden Männer im Kellerraum um ihr Leben bangen, sucht – der ziemlich dusselige – Detective Tapp nach dem Mörder. Diese Suche ist für ihn zur Obsession geworden, nachdem Jigsaw dessen Kollegen umgebracht hat.

Sowohl Aufbau als auch Horrorszenarien sind nicht wirklich originell, extreme Grausamkeit und Sadismus pur hat man schon oft auf der Leinwand gesehen. Die Spiele, mit denen der Killer seine Opfer dazu bringt, sich selbst zu töten, und die Rätsel, die er ihnen aufgibt, sind zwar durchaus raffiniert, aber schon die Drei ??? haben Kniffligeres gelöst.

Als Inspirationsquellen gibt Regisseur Wan David Lynch und Italo-Splatter-Experte Dario Argento an, die beide gerne Filme über den perversen Mörder von nebenan machen. Natürlich ist bei Werken dieser Art der Horror nicht »nur im Kopf der Zuschauer«, wie es gerne behauptet wird: Was bliebe schon von Seven oder The Silence of the Lambs übrig ohne die grausam verstümmelten Leichen?

Von der ersten Sekunde an erwartet man einen kranken Alptraum, und dieser tritt auch ein. Sobald aber das Rätsel um Jigsaw und sein »Motiv« gelüftet ist, ist der Film nur noch halb so furchterregend. Bei Saw wird der Täter nicht rechtzeitig gefaßt und das Ende ist – gelinde gesagt – unversöhnlich. Alles nichts Neues, alles schon mal dagewesen. Doch die Spannung sägt – im wahrsten Sinne des Wortes – bis zum Schluß an den Nerven, wie es sich eben für einen echten Horror-Reißer gehört. Zumindest kann man nach dem Abspann zu sich selbst sagen: »Meine eigenen Probleme sind doch eigentlich gar nicht so schlimm«. 1970-01-01 01:00
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