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Saved! – Die Highschool Missionarinnen

Saved! USA 2004. R,B: Brian Dannelly. B: Michael Urban. K: Bobby Bukowski. S: Pamela Martin. P: Single Cell Picture, Infinity Media. D: Jena Malone, Mandy Moore, Macauly Culkin, Patrick Fugit, Martin Donovan u.a.
92 Min. Solo Film ab 16.9.04

Teen Spirit

Von Kathrine Rich Ungeachtet dessen, wie die Filmemacher den Film zu bewerben versuchen, Saved! ist im Grunde eine simple Teeniekomödie. Eine hübsche Heldin voll des Weltschmerzes macht einen Fehler und wird vom smarten Jungen gerettet. Die Außenseiter werden gefeiert, die Teen-Elite bekommt, was sie verdient hat, und alles gipfelt natürlich auf der Prom, der »Deus ex machina« der Teeniekomödie, auf der alle Probleme des Films in Kleidchen und Smoking gelöst werden.

Religiöse Heuchelei ist ein heikles Thema in den USA, besonders bezüglich des Christentums, und weil sich Saved! genau dieses Themas annimmt, fürchteten manche Leute, der Film könnte zu kontrovers ausfallen. Dieser lediglich freche Zug allerdings macht Saved! zu keinem besonderen oder gar anstößigen Film. Er beweist jedoch Herz, indem er jeden Charakter, auch den übelsten, zu akzeptieren versucht, und bleibt dadurch durchschnittlich und völlig im Sinne christlicher Ethik.

Saved! spielt auf der American Eagle Christian High School am Stadtrand von Baltimore, eine religiöse Privatschule, deren Konzept darauf beruht, daß Gottesdienst fast alle Formen annehmen kann. Der Pfarrer etwa trägt Jeans und fragt, »Who's down with G-O-D?«, der Schulschwarm war jahrelang ein Skater für Jesus, und die angesagte Mädchenclique ist die Vokalcombo »Christian Jewels«, eine Gruppe von Mädchen, die ihre Nächsten lieben – wenn sie die richtige Frisur haben.

Als »Christian Jewel« Mary bei einem gut gemeinten Versuch, ihren schwulen Freund vor der Homosexualität zu retten, schwanger wird, beginnt sie plötzlich ihr Umfeld (Schule und Religion) anzuzweifeln. Mary bricht daraufhin die Teeniekomödienregeln, indem sie die Clique, angeführt von der frommen Hilary Faye, ablehnt, bevor diese sie ablehnt. Und schon landet Mary bei den Outsidern, in diesem Film der sarkastische, an den Rollstuhl gefesselte Roland und die deplazierte Rebellin Cassandra. Marys Identitätskrise wird auch in zahlreichen Nebenhandlungen thematisiert, etwa in der Beziehung ihrer Mutter zum Pfarrer Skip. Jede Figur hat eine durchaus interessante Geschichte, doch die Story als Ganzes wirkt müde und leer.

Montagesequenzen von Figuren, die schreiend im Regen stehen, oder apathisch aus dem Fenster starren, begleitet von betrübtem Gesang und klimpernder Gitarre ersparen zwar manchen trüben Dialog, können den Eindruck aber auch nicht widerlegen, als würde sich manches Mal nach Kräften abgemüht, überhaupt auf anderthalb Stunden Film zu kommen. Die Zeit hingegen, die sinnvoll gefüllt wurde, vergeht durchaus unterhaltsam, vor allem dank der jungen Schauspieler und etlicher satirischer Elemente. So dringt Regisseur Brian Dannelly gar in Michael Moores Terrain vor, wenn vor dem Hintergrund eines großen George W. Bush-Posters im Klassenzimmer die Schulgebete enden mit: »And keep our President safe.« Und obwohl Dannelly keinen heuchlerischen Christen ohne Klaps vorbeiziehen läßt, endet der Film mit einer sehr christlichen Attitüde. Jedem werden seine Sünden verziehen, jeder bleibt am Ende ein Christ, selbst Hilary Faye.

Jenen, die eine scharfe Satire suchen, wird das sentimentale Ende übel aufstoßen, aber Saved! ist nun einmal kein nachdenklich stimmender, kontroverser oder spektakulärer Film. Wie seine problembeladenen und fehlerhaften Figuren gehört auch Saved! weder zu den unverzeihlichen, zu verteufelnden Filmen noch zu den himmlischen Werken, sondern einfach auf unsere sterbliche und durchschnittliche Erde. 1970-01-01 01:00
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