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Save the Last Dance

USA 2001. R: Thomas Carter. B: Duane Adler, Cheryl Edwards. K: Robbie Greenberg. S: Peter E. Berger. M: Tracey E. Edmonds. P: Viacom, Paramount, MTV Films. D: Julia Stiles, Sean Patrick Thomas, Terry Kinney, Fredro Starr, Bianca Lawson, Kerry Washington u.a.
113 Min. UIP ab 22.03.01

Sugar & Spice

USA 2000. R: Francine McDougall. B: Mandy Nelson. K: Robert Brinkmann. S: Mark Mothersbaugh. M: Wendy Chuck. P: Wendy Finerman. D: Marley Shelton, James Marsden, Mena Suvari, Marla Sokoloff, Rachel Blanchard, Melissa George, Sean Young u.a.
81 Min. Kinowelt ab 15.03.01

Zweimal amerikanischer Traum

Von Carsten Tritt Mit Sugar & Spice und Save the Last Dance laufen nun der 1000ste und 1001ste amerikanische Teenie-High-School-Film in unseren Kinos an, und es gibt eigentlich nichts mehr, was man noch Neues über dieses Genre sagen könnte. Dennoch sind die Filme zumindest im Vergleich interessant, denn es handelt sich hierbei um Filme, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten.

Sugar & Spice ist ein Film der australischen Regisseurin Francine McDougall, die bisher durch pseudo-innovative Kurzfilme (Pig!, 1996) auffiel. Ihr Film spielt im Milieu des white trash, ihre Heldinnen sind minderbemittelte Cheerleader, die sich mit einem schnellem, aber illegalem Coup all ihrer (ausschließlich materiellen) Sorgen entledigen wollen.

Der Regisseur von Save the Last Dance heißt laut Vorspann Thomas Carter, tatsächlich aber scheint MTV hier die entscheidenden Fäden gezogen zu haben. Die Heldin Sara kommt ebenso wie die Sugar & Spice-Mädels aus einer Kleinstadt, zieht nach dem tragischen Tod ihrer Mutter zu ihrem Vater, der in einem Chicagoer Ghetto wohnt; nachdem sie sich in ihre neue Umgebung eingefunden hat, lernt sie, daß man mit harter Arbeit und Willenskraft doch noch seine Träume erfüllen kann.

Beide Filme handeln vom selben Thema, vom American Dream. Bei Save the Last Dance wird dieser gnadenlos propagiert, bei Sugar & Spice ebenso gnadenlos parodiert. So herrscht in Sugar & Spice ein kitschiges set design in grellen Farben, und die Cheerleader werden schließlich durch einen Banküberfall, bei dem sie sich als Betty-Dolls (eine Puppe der 50er oder 60er Jahre mit heute hohem Sammlerwert) verkleiden, ans schnelle Geld kommen. Die amerikanischen Werte werden hier als Witz dargestellt, insbesondere in der Figur des Jack (James Marsden), der Freund der Cheerleaderin Diane: Ein dauergrinsender Trottel, der, nachdem er seine Feundin geschwängert hat, redlich und tugendhaft zu ihr steht und durch ehrliche, schlecht bezahlte Arbeit für den Lebensunterhalt von Diane und sich aufkommen will.

Sugar & Spice will die oberflächliche, glatte Fassade angreifen, hinter der die Werte aber schon längst zerfallen sind, und nur noch das Streben nach Luxus ohne Mühe besteht. Wer anderes glaubt, der ist ein Idiot wie Jack.

Save the Last Dance ist dagegen der Hort der political correctness, wo zwar soziale Probleme, Armut und Rassismus allgegenwärtig sind, und die Charaktere vom Schicksal gebeutelt werden, aber: Du kannst es schaffen, Du mußt es nur wirklich wollen, und so kann auch eine Halbwaise aus dem schlimmsten Viertel der Stadt Ballettänzerin werden und ihren Traummann bekommen.

Das alles mag zwar Schwachsinn sein, dennoch: Save the Last Dance ist der bessere Film. Denn Sugar & Spice ist ein One-Gag-Wonder, das alsbald langweilt, weil es auf stereotype Art Stereotypen bloßlegen will; eine Art Starship Troopers ohne etwas kaputt zu machen. Dazu nerven Darsteller wie Rachel Blanchard, deren schauspielerisches Talent sich darauf beschränkt, die Haarfarbe zu wechseln und den Kopf schräg zu halten (Clueless-Serie: blond; Road Trip: rot; hier: brünett).

Save the Last Dance bietet hingegen ein nicht besonders tiefsinniges, aber in 200jähriger amerikanischer Tradition entwickeltes Märchen vom Recht auf Streben nach Glück in dem Land where all men are created equal. Dazu eine in 20jähriger Tradition ausgefeilte MTV-Ästhetik mit einem slamming HipHop-Soundtrack, und in der Hauptrolle nicht irgendeine Wurstnase, sondern die talentierte Julia Stiles, die demnächst auch in Soderberghs grandiosem Traffic zu bewundern sein wird. Das hat zumindest ausgereicht, um den Film kurzzeitig zur Nummer Eins der US-Kinocharts zu machen. Save the Last Dance ist jedenfalls der ideale Film, um das zu machen, wofür das Kino eigentlich erfunden wurde: In der letzten Reihe zu sitzen und im Dunkeln (auf helle, reflektierende Farben verzichtet der Film in weiser Voraussicht) mit der Freundin rumzumachen. 1970-01-01 01:00
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