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Samaria

ROK 2004. R,B,S: Kim Ki-duk. K: Sun Sang-Jae. M: Park Ji. P: Kim Ki-Duk Film. D: Lee Eol, Kwak Ji-min, Seo Min-jung, Kwon Hyun-min u.a.
95 Min. Rapid Eye Movies ab 9.12.04

Schuld und Vergebung

Von Cornelis Hähnel Mit Frühling, Sommer, Herbst, Winter… und Frühling hat Kim Ki-duk einen als Meisterwerk umjubelten, aber für seine Verhältnisse sichtlich gemäßigten Film präsentiert. Samaria, für den er bei der diesjährigen Berlinale einen Silbernen Bären für die beste Regie bekam, verteidigt seinen Ruf als strittiger und polarisierender Regisseur.

Die Schulmädchen Yeo-jin und Jae-young verdienen sich in ihrer Freizeit Geld durch Prostitution. Jae-young schläft mit den Freiern, Yeo-jin steht derweil Schmiere. Durch eine Unachtsamkeit geraten sie in eine Razzia, Jae-young springt vor Angst aus dem Fenster und stirbt an den Folgen. Yeo-jin, von Schuldgefühlen geplagt, beschließt, den Freiern das verdiente Geld zurückzugeben.

Sex und Gewalt sind die dominanten Themen im Werk Ki-duks. Mit einer nicht nachvollziehbaren (aber durchaus verständlichen) Radikalität agieren seine Protagonisten immer über das Extreme hinaus. Samaria ist ein Film über Schuld und Vergebung, diese Leitgedanken finden sich auch visuell in vielen Einstellungen, die teilweise hochgradig zu christlichen Motiven stilisiert worden sind, wieder. Dabei wird die häufig ikonographisch arbeitende Kamera nie zu einem Instrument der Pathetisierung, da Ki-duk seine allegorischen Bilder mit dem Erzählten kontrastiert. So ruht der Film, nicht zuletzt durch den wunderbaren Score, auch dann noch in sich, wenn die Ereignisse mehr als aufwühlend sind.

Wie bei Bad Guy, der leider nicht in die deutschen Kinos kam, können Ki-duk auch hier misogyne Tendenzen und Romantisierung der Prostitution vorgeworfen werden. Mit welcher Unbedarftheit und Freude das junge Mädchen ihrer Arbeit nachgeht, ist sicherlich problematisch, sollte aber nicht als realitätsgetreue Darstellung angesehen werden. Denn es liegt an solch streitbaren Elementen, daß der Film nicht zu einem allgemeingültigen missionierenden Zeigefinger verkommt. 1970-01-01 01:00

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #36.

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