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Saint Jacques – Pilgern auf Französisch

Saint Jacques... La mecque. F 2005. R,B: Coline Serreau. K: Jean-Francois Robin. S: Catherine Renault. M: Hugues Le Bars, Madeleine Besson, Sylvain Dubrez. P: Telema France 2 Cinema Eniloc, TPS Star. D: Muriel Robin, Artus De Penguern, Jean-Pierre Darroussin u.a.
103 Min. Schwarz-Weiß-Filmverleih ab 6.9.07

Und sie laufen und laufen und laufen…

Von Maike Schmidt »Ich bin dann mal weg« rief und schrieb Hape Kerkeling 2006 in seinem gleichnamigen Buch, erzählte hier von seinem beschwerlichen Pilgerweg mit dem Ziel Santiago de Compostela und ließ damit einen Boom entstehen, eine Erneuerung des Kultes rund um den Apostel Jakobus. So las auch ich es just nach Herausgabe des Buches und machte mir schöne Gedanken über Selbstfindung, an die eigenen Grenzen gehen, den Schweinehund überwinden, über zwei Monate durchs südliche Europa wandern. Das war vor gut einem Jahr, und ich bin immer noch hier. Nun gibt es einen neuen Anstoß, diesmal ein bebildeter, ein filmisches Äquivalent.

Der Mythos Jakobsweg wird hier weiter unterfüttert, Pilgeranwärter werden unterstützt in ihren hehren Gedanken und idealtypischen Vorstellungen. Laufe und laufe, leide und freue dich, überwinde und arbeite mit allen Stärken und Schwächen, und am Ende ist man Sieger seiner selbst. Hier dargestellt durch drei sich wenig mögende Geschwister, die ob des elterlichen Erbes einen Teil des Sternenweges zusammen hinter sich bringen müssen. Das alles beginnt schwierig und endet in vorgestapften Erwartungen. Vom gradlinigen Weg der Dramaturgie wie den leicht stereotypischen Figuren sollte sich der geneigte Betrachter aber nicht irritieren lassen. Denn durchaus sympathisch läßt Regisseurin Serreau ihre Protagonisten den heiligen Pfad entlanglaufen, die am Ende nicht nur zu sich selbst, sondern auch zueinander finden. Unterlegt wird dieses kleine Grüppchen durch weitere Selbstfinder, die dem Weg und dem Film die nötige Würze geben, eine Art Kammerspielsituation unter freiem Himmel und mit Rucksack.

So konzentriert sich Serreau in der ersten Hälfte, dem vom Drehbuch als Erfüllung der Testamentbedingung angegebenen Teil des Weges, auf ihre Figuren, ihre Charakterbeschreibung und ihre Beziehung untereinander. Erst nach Auflösen der Familienzwistigkeiten, nach einem Zusammenwachsen der Gruppe und der Entscheidung, den zweiten Teil des Weges ebenfalls auf sich zu nehmen, wird dem Zuschauer die Landschaft in großzügigen und weitläufigen Bildern nahegebracht. Passend zum dramaturgischen Wechsel des Plots wird nun die Sonnenseite dieses Weges in weiche Bilder getaucht. Auch das bestimmt kein Geniestreich filmischer Umsetzungsmöglichkeiten, aber der Sympathiezusage an den Film tut auch dies keinen Abbruch. Einem wird warm ums Herz, und ich denke daran, im nächsten Jahr einen Rucksack zu kaufen, oben erwähntes Buch nochmal zu lesen und loszuziehen.
Ganz bestimmt. Vielleicht. Man wird sehen. 1970-01-01 01:00
© 2012, Schnitt Online

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