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Sade

F 2000. R: Benoît Jacquot. B: Jacques Fieschi. K: Benoît Delhomme. S: Luc Barnier. M: Francis Poulenc. P: Patrick Godeau. D: Daniel Auteuil, Marianne Denicourt, Isild Le Besco u.a.
95 Min. Prokino ab 21.12.00
Von Mark Stöhr Ein Mann und seine Stereotypen: Marquis de Sade der Sexberserker, Mädchenschänder, Antichrist, Terminator libidinöser Abgründe, Porno-Proust. Benoît Jacquot unternimmt in seiner Sade-Interpretation zumindest den Versuch, den wohlbekannten Mythisierungen dieser Figur das Bild eines Mannes entgegenzusetzen, der schlicht um seine Freiheit kämpft – und nicht nur um die sexuelle – und seine Liebe zu den Frauen als Akt gegenseitiger Emanzipierung versteht: mehr schreibender Casanova und Libertin denn perverser Satan. Der eigentliche »Sadismus« geschieht draußen, die »Terreur« der revolutionären Endphase befindet sich auf dem Höhepunkt ihres bestialischen Treibens.

Auf dieser Folie des Schreckens erzählt der Film die Episode aus Sades Leben, als er, verhaftet wegen diverser Sittlichkeitsdelikte, nach Picpus verlegt wird, eine Art »Luxusgefängnis« für adlige Kreise. Sade lernt die junge Emilie kennen, die mehr fasziniert ist als abgestoßen von dem Ruf, der ihm vorauseilt. Doch anstatt sich dies zu seinem eigenen Nutzen zu machen, hilft Sade ihr, ihre Ängste und die moralischen Verdikte ihres Standes zu überwinden – als Lehrer der Freiheit inmitten von Diktatur und Verwüstung.

Daniel Auteuil als furioser Zeremonienmeister einer Art von Initiationsritus ist einer der wenigen Höhepunkte einer ansonsten gemächlichen und kreuzbraven Inszenierung, die in der Tradition der selbstgefälligen französischen Historienverfilmungen der letzten Jahre steht. Ein bißchen Schulterkamera und ein paar Reißschwenks werden halt weder Sade noch seiner Zeit gerecht. 1970-01-01 01:00

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #21.
© 2012, Schnitt Online

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