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Russlands Wunderkinder

D 2000. R,B: Irene Langemann. K: Sergej Astachov. S: Kawe Vakil. P: LICHTfilm.
98 Min. Real Fiction ab 19.10.00
Von Manuela Brunner Der rote Putz blättert vom kastenförmigen, mehrstöckigen Haus, das die Zentrale Musikschule Moskau beherbergt. Hier unterziehen sich musikalisch hochbegabte Kinder einer elf Jahre langen Ausbildung. Irene Langemann begleitet vier junge Pianisten zum Unterricht, nach Hause, auf Konzertreise. Lena wird vom Papst auf die Stirn geküßt, Mitja und Nikita reden in der Pause über ihre Kompositionen: »Ein Scherzino, zu Puschkins 200. Geburtstag.«

Ein glanzvoller Schimmer umgibt die jungen Pianisten, wenn sie am Klavier sitzen, die Gesichter strahlen ernsthafte Konzentration aus, gleichzeitig Entspannung und Hingabe. Sergej Aschatovs Kamera nähert sich ihnen behutsam, wie auf Zehenspitzen, manchmal auch kokettierend mit dem Zuschauer, wenn eine kleine Verlagerung der Aufmerksamkeit plötzlich die Kamera in Bewegung zu setzen scheint.

Erstaunlich ist der nahtlose Übergang zwischen den neueren Bildern und den Archivaufnahmen aus den 30er und 40er Jahren, den Glanzzeiten der Schule. Die Lehrer weigern sich anzuerkennen, daß das Zeitalter der Popstars immer weniger Platz für ihre Schützlinge bietet. Während Lena sich gegen den Rat ihres Managers – gegen die USA – entscheidet, spielt ihr jüngeres Pendant Ira am russischen Nationalfeiertag Chopin, und der Blick ins seniorendominierte Konzertpublikum untermauert es: Ihre Zukunft ist im Moment des Entstehens schon Vergangenheit. 1970-01-01 01:00

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #20.
© 2012, Schnitt Online

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