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Rush Hour 3

Rush Hour 3. USA 2007. R: Brett Ratner. B: Jeff Nathanson. K: Jim Michael Muro. S: Mark Helfrich, Billy Weber, Don Zimmerman. M: Lalo Schifrin. P: New Line Cinema. D: Chris Tucker, Jackie Chan, Max von Sydow, Hiroyuki Sanada, Yvan Attel, Noémi Lenoir u.a.
90 Min. Warner ab 16.8.07

What is it good for?

Von Carsten Tritt Rush Hour 3 ist ein unterdurchschnittlicher Film. Das Drehbuch gehört selbst für das Genre zum dünnsten, was ich seit langem gesehen habe, und wessen Figur sich am Ende des Films »überraschend« als Bösewicht herausstellt, vermag jeder halbwegs geschulte Kinogänger bereits beim Lesen der obigen Darsteller-Credits zu erraten. Die Actionszenen sowie die Martial-Arts-Sequenzen wiederholen lustlos und uninspiriert bekannte Nummern, und das ganze wirkt eher wie eine Straight-to-DVD-Produktion als wie ein Major Picture – gut, der Film hat die ein oder andere teuer aussehende Kulisse, die aber trotzdem uninspiriert ist und auch nicht den Verbleib der 120 Millionen Dollar erklären kann, die der Film angeblich gekostet haben soll. Rush Hour 3 ist also ein uninteressanter Film, den man sich keinesfalls ansehen sollte.

Somit ist alles zur Qualität gesagt, und auch im Hollywood-Kontext bietet der Film wenig. Die Rush Hour-Serie ist, wie unschwer ersichtlich, eine glattgestriegelte Fortführung der gerade in den 80ern aufgekommenen Buddy-Movies. Chris Tuckers Figur ist eine direkte, kaum variierte Fortführung des klassischen, streetwisen Eddie-Murphy-Charakters: Deutlich aufgedreht und schneller redend als denkend handelt es sich hierbei um eine inzwischen klassische Figur in Hollywoodfilmen, die, da auch zumeist mit einem schwarzen Darsteller besetzt (neben Murphy und Tucker z.B. Martin Lawrence oder früher auch Michael Winslow) zu einem typischen Klischee verkommen ist.

Jackie Chan besetzt, ebenso leicht erkennbar, die Rolle des geradlinigen Polizisten. Als in den 90ern die Popularität des Honkong-Kinos in den USA ihren Höhepunkt fand, war die Besetzung Chans bei Rush Hour in dieser Rolle somit einer der damals zahlreichen Versuche, das kantonesische Erfolgsrezept zu adaptieren – Rush Hour war 1998 Chans erste Hauptrolle in Amerika. Allerdings erinnerten seither Chans Auftritte in US-Produktionen an Beckenbauers Engagement bei Cosmos New York. Gerade in Rush Hour 3 zeigt sich das Scheitern, das asiatische Actionkonzept auf einen Hollywoodfilm zu übertragen. Der chinesische Kung-Fu-Film zog seine Schauwerte aus ausgefeilten Choreographien mit artistischen Stunts. Rush Hour 3 bleibt jedoch ausschließlich der amerikanischen Schule verhaftet, die Action alleine durch den Schnitt inszeniert. So folgt nach fast jedem Schlag, nach fast jedem Sprung ein Schnitt, so daß weder Chans Fertigkeiten noch der Wunsch des Zuschauers nach sorgsam choreographierter Martial Art bedient wird. Um es anders zu sagen: Wenn die von Chan gespielte Rolle statt dessen mit Harrison Ford besetzt worden wäre, hätte es in den Kampfszenen wohl kaum einen Unterschied gemacht, auch wenn Chan natürlich der bessere Schauspieler bleibt.

Zur Ehrenrettung des völlig unterforderten Jackie Chan sei jedoch erwähnt, dass er wenigstens seinem Alter entsprechend spielt (Chan ist inzwischen 53, und damit neben Max von Sydow der Gesichtsälteste in dem Film) und daher so uneitel ist, sich auch mal von einem jüngeren oder stärkeren Gegner verprügeln zu lassen – eine solch peinliche Show wie z.B. in Lethal Weapon 4, in welchem die Action-Opas Gibson und Glover unbedingt Jet Li zusammenschlagen mussten, wird also nicht gegeben.

Auch der europäische Schauplatz des Films bleibt natürlich nur Kulisse, und da der Film noch nicht einmal wirklich an das asiatische Actionkino anknüpft, obwohl er dies in seiner Marketingkampagne suggeriert, überrascht es nicht, daß er das europäische Actionkino (wie wenigstens in besseren US-Produktionen wie z.B. Ronin zumindest zitiert) nicht einmal zu kennen scheint. Die einzige Autoverfolgungsjagd in Paris ist dementsprechend eine Standardnummer etwas über TV-Niveau, die mit den großartigen Verfolgungsjagden italienisch-französischer Schule – am besten noch mit Kleinwagen der Prä-Seitenaufprallschutzära, bei welchen jede Beule dem Fahrer genauso weh tut wie dem Auto – rein gar nichts zu tun hat. Von der europäischen Haudrauftraditon soll hier gar nicht erst gesprochen werden. Eine jener Kopfnüsse, wie sie Gérard Depardieu in seiner besten Zeit geradezu zu einer Kunstform erhoben hat, wird man in Rush Hour 3 vergeblich suchen. Der europäische Beitrag erschöpft sich somit im wesentlichen in einem ziemlich dümmlichen Auftritt von Yvan Attal als amerikahassender Franzose, der dann recht schnell zum noch dümmlicheren Anhänger des American Way of Life bekehrt wird, und einem an Dümmlichkeit kaum noch zu überbietenden Gastauftritt von Roman Polanski, der hoffentlich eine ordentliche Gage dafür kassiert hat – wenn aus einem kleinen Bruchteil des Budgets von Rush Hour 3 wenigstens das nächste Polanski-Projekt mitfinanziert worden sein sollte, hätte dieses ansonsten überflüssige Werk ja doch noch etwas Sinnvolles bewirkt. 1970-01-01 01:00

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