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Die Royal Tenenbaums

The Royal Tenenbaums. USA 2001. R,B: Wes Anderson. B,D: Owen Wilson. K: Robert Yeoman. S: Dylan Tichenor. M: Mark Mothersbaugh. P: American Empirical. D: Gene Hackman, Anjelica Huston, Gwyneth Paltrow, Ben Stiller, Luke Wilson, Danny Glover, Bill Murray, Seymour Cassel u.a.
109 Min. Buena Vista ab 14.3.02
Von Oliver Baumgarten Die Addams Family, die Bundys, die Flodders, die Simpsons – all das sind, wenn auch liebenswerte, so doch vor allem arg schräge Familien. Sozialgefüge, in denen irgendwie der evolutionäre Wurm steckt und eine soziale Inkompetenz freilegt, die diese Familien zu etwas ganz Besonderem werden läßt.

Auch die Tenenbaums sind etwas Besonderes – zumindest waren sie es einmal. Papa Royal und Mama Etheline waren einst stolze Eltern dreier Genies. Die Tochter sensationelle Jungautorin, die Söhne begnadet als Finanzjongleur und Tennisprofi. Davon ist heute nicht mehr viel zu spüren. Die mittlerweile erwachsenen Kinder sind psychische Wracks, schwer beziehungsgeschädigt und blockiert für alle ihre Fähigkeiten. So landen sie eines Tages zurück im Elternhaus, aus dem Royal inzwischen ausgezogen ist und Etheline eine neue Beziehung zu beginnen gedenkt. Doch das ist nicht das Ende der Tenenbaums, das ist ihre Neuschöpfung, das ist ihre Chance, endlich das zu sein, was alle anderen amerikanischen Familien doch schließlich auch sind: ein Hort des Friedens, der Liebe und Wärme. Normal eben.

Moral und Intelligenz passen einfach nicht zueinander, so daß ein moralisches Volk dumm sein dürfte, während ein intelligentes wohl auf den Hund kommen muß. So oder so ähnlich könnte überspitzt der Claim von Andersons Film lauten, den er mit seinem Kameramann Robert Yeoman in ausgesprochen geschmackvolle Bilder faßt, wunderbar lakonisch kontrastierend mit dem desolaten Tun der Familie. Dem Erzähler von Amélie Poulain gleich, beginnt der Film mit einer flotten Expositionssequenz, ehe sich das Formale gemütlich zurückzulehnen beginnt und das fantastische Ensemble genießt, das sich mit großer Spiellust die Bälle zuwirft.

Besonders Gene Hackman weiß dabei exakt, wo er die Grenze ziehen muß, um nicht vom Lakonischen in die Parodie zu fallen, wenn er sich als Papa Royal durch Vorgabe eines Krebsleidens in die Familie zurückzukaufen versucht. Das Vortäuschen einer tödlichen Krankheit oder das Geständnis der Liebe zur Schwester als Weg in die »Normalität« zu nehmen ist wohl nicht eigentlich Instrument einer moralischen Gesellschaft. Doch die Royal Tenenbaums können nicht anders, und so heißt es auch bei ihnen am Ende: We Are Family! 1970-01-01 01:00
© 2012, Schnitt Online

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