— — —   DER SCHNITT IST OFFLINE   — — —

Route 181 – Fragmente einer Reise in Palästina-Israel

F/B/GB/D 2003. R,B: Michel Khleifi, Eyal Sivan K: Phillippe Bellaiche. S: Michel Khleifi, Eyal Sivan. P: Momento!, Sindibad Films, Sourat Films.
270 Min. mec film ab 6.5.04

Grenzgänger

Von Tamara Danicic Zwei Freunde, ein palästinensischer und ein israelischer Filmemacher, bereisen ihre Heimat. Entlang der virtuellen Demarkationslinie, die die UNO-Resolution 181 von 1947 vorsah, sind Michel Khleifi und Eyal Sivan zwei Monate lang von Süden nach Norden durch Israel-Palästina gefahren – einer Grenze folgend, die immer nur auf dem Papier stand und niemals in die Tat umgesetzt wurde.

Auf ihrem Weg haben sie Bilder gesammelt von Überresten arabischer Siedlungen, von patriotischen Gedenkstätten, Checkpoints oder Kampffliegern am Himmel. Und immer wieder von Zäunen und Mauern. Unkommentiert stehen sie für sich. Darüber hinaus lassen sie die Menschen, denen sie begegnen, über ihre Erinnerungen und ihr Verständnis von der Entwicklung um sie herum sprechen. Aber auch über ihre Vorstellungen, was aus dem Land in Zukunft werden könnte. Es sind zufällige Begegnungen mit Verkäufern, Stacheldrahtfabrikanten, Joggern, mit Palästinensern, arabischen Israelis und Juden. Ein israelischer Soldat, der von Kafkas »Vor dem Gesetz« schwärmt, um im nächsten Augenblick seine religiöse Standfestigkeit zu betonen. Eine Palästinenserin, die die Taten der Selbstmordattentäter als Verzweiflungsakte verteidigt. Eine aus Tunesien eingewanderte Jüdin, die um ihren im Libanonkrieg gefallenen Sohn trauert und Israel als Land sieht, in dem es keine Lebensfreude mehr gibt.

Die Fundstücke fügen sich zum einzigartigen epischen Zustandsbericht dieses zerrissenen, vernarbten und nicht zur Ruhe kommenden Landes. Geschichte und Gegenwart lassen sich mittlerweile kaum noch von der Unzahl an unterschiedlichen Deutungen und ideologischen Vereinnahmungen trennen. Sicherlich bietet der Film keine simple Lösung für den Nahostkonflikt, doch er macht den ersten, wichtigen Schritt in Richtung Aussöhnung, indem er sich als »Wahrheitskommission« nach südafrikanischem Muster begreift. Und dazu gehört, daß Khleifi und Sivan nicht nur zuhören, sondern auch unbequeme Fragen stellen. Der ganz alltägliche Rassismus, der dabei in einigen Interviews unverhohlen zutage tritt, erschüttert. Gleichzeitig blitzt jedoch immer wieder der Hoffnungsschimmer auf, daß Frieden doch noch möglich ist und daß sich die Grenzen in den Köpfen irgendwann einmal niederreißen lassen. 1970-01-01 01:00
© 2012, Schnitt Online

Sitemap