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Von Sascha Seiler
»Roter Drache« war der erste Roman des Thriller-Autors Thomas Harris, der für die Leinwand adaptiert wurde. 1986 tränkte Michael Mann, ganz in der Tradition seiner Schöpfung
Miami Vice, Harris' erste Hannibal Lector-Geschichte unter dem Titel
Manhunter in ein Meer von 80er Jahre Pastellfarben. Der Film konnte zwar aufgrund der Gegenüberstellung von Pastellbildern und brutalen Serienmorden eine Künstlichkeit erzeugen, die ihn auch fast zwanzig Jahre später noch sehenswert macht, doch die blassen Hauptdarsteller ließen
Manhunter neben den opulenten, stargespickten Werken wie
Silence of the Lambs und
Hannibal doch wie ein Direct-to-Video Produkt wirken. Die wechselnden Titel, unter denen er immer wieder im Fernsehen zu sehen war, taten ihr übriges.
Was liegt also näher, als den Erfolg der beiden Lector-Filme zu wiederholen, indem man ein von Anthony Hopkins angeführtes Starensemble auf den Weg schickt, Manns Leistung vergessen zu machen? Und es sind nicht nur zugkräftige Namen, es sind sogar richtig gute Schauspieler, die
Roter Drache zum vielversprechenden Remake machen: Edward Norton, Emily Watson, Ralph Fiennes, Philip Seymour Hoffman – was will man mehr? Leider vergaßen die Produzenten, auch den Regiestuhl dementsprechend zu besetzen, also muß Brett Rattner ran, der bisher nur durch die Inszenierung mäßig witziger Komödien aufgefallen ist.
Natürlich funktioniert
Roter Drache als Thriller erwartungsgemäß gut. Die Vorlage Buch wie Film – wurde nicht verändert, selbst die Einstellungen ähneln zum Teil denen Manns auf verblüffende Weise, allerdings ergänzt durch die dreckige Optik, der seit
Seven jedem Serienmörder-Thriller verpflichtet ist. Norton allerdings liefert die schwächste Leistung seiner Karriere ab, was allerdings auch an der uninteressanten Figur des FBI-Ermittlers liegt. Hopkins sollte sich vorsehen, nicht noch eine Hannibal-Rolle anzunehmen, denn er verfängt sich zusehends in Manierismen, die nur noch schwer erträglich sind. Dafür liefert Hoffman wieder einmal eine faszinierende Leistung als schmieriger Reporter ab, der vom Serienmörder und Titelheld – Ralph Fiennes verkörpert den »roten Drachen« erstaunlich erschreckend und realistisch – sadistisch ermordet wird.
Im Prinzip erfüllt
Roter Drache die Erwartungen, die in ein solches Projekt gesteckt werden, vollends: Die Zuschauer wollen Hopkins als Hannibal sehen, sie wollen weitere große Namen, sie wollen keine 80er-Optik und erst recht wollen sie eine teuer aussehende Hochglanzproduktion, die den notwendigen Nervenkitzel transportiert. Daß der Film dabei weder die psychologische Klasse von
Silence of the Lambs noch die opulente, opernhafte Inszenierung der ersten Hälfte von
Hannibal erreicht, war zu erwarten. Und besser als die zweite Hälfte von Ridley Scotts letztjähriger Variante ist
Roter Drache allemal.
1970-01-01 01:00