— — —   DER SCHNITT IST OFFLINE   — — —

Rosenstraße

D 2003. R,B: Margarethe von Trotta. B: Pamela Katz. K: Franz Rath. S: Corina Dietz. M: Loek Dikker. P: Get Reel Productions, Tele München Gruppe, Studio Hamburg Letterbox Filmproduktion. D: Maria Schrader, Katja Riemann, Fedja van Huêt, Doris Schade, Jutta Lampe, Svea Lohde, Martin Feifel, Jürgen Vogel u.a.
135 Min. Concorde ab 18.9.03

Widerstandstage

Von Daniel Albers Margarethe von Trotta, nach einer Anzahl von Fernsehproduktionen zum ersten Mal seit Das Versprechen (1994) wieder für die große Leinwand auf dem Regiestuhl, führt mit Rosenstraße ihr Lebensprojekt fort, über jedes Jahrzehnt des vergangenen Jahrhunderts einen Kinofilm zu drehen. Dabei bearbeitet sie dieses Mal ein historisches Ereignis aus der Zeit des Nationalsozialismus, das seltsamerweise nie besonders bekannt geworden ist.

Vor etwas mehr als 60 Jahren, Anfang März 1943, führte zum ersten und einzigen Mal unter dem Nazi-Regime ein entschlossenes, kollektives Aufbringen von Zivilcourage unter einfachen Menschen dazu, daß von einer schon geplanten Deportation vieler hundert Juden in Konzentrationslager doch noch abgesehen wurde. In von Trottas Film wird das Geschehen mittels konventioneller, ausgebleichter Rückblenden erzählt und in eine Rahmenhandlung eingebettet, die im Wohnzimmer einer jüdischen Familie im zeitgenössischen New York ihren Anfang nimmt. Die junge New Yorker Journalistin Hannah verzweifelt an dem plötzlichen religiösen Starrsinn ihrer Mutter Ruth, die nach dem Tod ihres Mannes für die Familie nach jüdischer Sitte 30 Tage Trauer anordnet und Hannah verbieten will, ihren nichtjüdischen Freund zu heiraten.

Auf der Suche nach dem Grund für die schweigsame Verbissenheit ihrer Mutter erfährt sie durch deren Cousine von einer Berlinerin namens Lena Fischer, die Ruth vor mehr als einem halben Jahrhundert vor den Nazis beschützt und gerettet hat. Hannah macht die mittlerweile 90jährige in Berlin ausfindig und erfährt gleichzeitig mit dem Zuschauer Stück für Stück eine Wahrheit, die eigentlich alles andere als des Verschweigens wert ist.

Die Auffassung der Regisseurin, bedeutende geschichtliche Ereignisse seien am besten anhand von Einzelschicksalen zu erzählen, in Ehren. Die Umsetzung dieses Grundsatzes funktioniert im historischen Teil des Films auch ganz ausgezeichnet. Katja Riemann spielt mit außergewöhnlicher Hingabe und Professionalität die beherzte junge Lena Fischer, ohne daß ihre Figur allzu heroisierend in Szene gesetzt wird, Svea Lohde macht ihre Sache als die hilflose Ruth sehr ordentlich, und Jürgen Vogel nimmt man seine Rolle als bekehrter Wehrmachts-Veteran zwar nicht ganz ab, doch man kann ihm eine gewisse Sympathie nicht verwehren.

Jedoch ist die ziemlich aufgesetzt und blutleer anmutende Rahmenhandlung mit Maria Schrader und Jutta Lampe in den Hauptrollen so wenig überzeugend besetzt, daß man sich wünschen würde, von Trotta hätte ihren Zuschauern in punkto Identifikationsangebot und Gegenwartsbezug weniger vorzugeben versucht und ganz auf sie verzichtet. Der Überzeugungskraft des Films hätte es sicherlich gutgetan.

Hoch anzurechnen ist Rosenstraße allerdings der nach der Schonungslosigkeit von Polanskis Der Pianist erleichternd wirkende weitgehende Verzicht auf Gewaltdarstellungen zur Illustration von nationalsozialistischer Grausamkeit. Von Trotta erbringt somit den Beweis dafür, daß die perversen Auswüchse der damaligen Rassenideologie auch auf weniger effekthaschende Art und Weise gebührend eindringlich darzustellen sind. 1970-01-01 01:00
© 2012, Schnitt Online

Sitemap