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Rock Star

USA 2001. R: Stephen Herek. B: John Stockwell. K: Ueli Steiger. S: Trudy Ship. M: Trevor Rabin. P: Maysville Pictures, Robert Lawrence Production. D: Mark Wahlberg, Jennifer Aniston, Dominic West, Timothy Spall u.a.
105 Min. Tobis ab 3.1.02
Von Frank Brenner Die 70er Jahre mit ihrer Disco-, Lifestyle- und Pornokultur sind mittlerweile schon genauso filmisch abgegrast wie die 60er mit ihrem Beat, ihren fiesen Frisuren und ihren grellen Farben. Da war es an der Zeit, daß auch die 80er Jahre wiederbelebt, filmisch aufgearbeitet und nostalgisch gehuldigt werden. Filmemacher, die in den 80er Jahren noch jung waren, sind nun alt genug, diese Aufgabe selbst zu übernehmen. Doch mit einem Abstand von mehr als einem Jahrzehnt hat die Verklärung noch nicht stark genug eingesetzt.

So kommt es, daß Stephen Herek eigentlich von Anfang an keinen Zweifel daran läßt, daß das Leben eines Rockstars längst nicht so erstrebenswert ist, wie es den Anschein hat. Auch wenn Mark Wahlberg es als Sänger einer »Steel Dragon«-Coverband zum Leadsänger eben dieser, seiner angebeteten Rockformation schafft, hat er schon bald mehr verloren als gewonnen. Ein Leben aus Sex, Drugs und Rock'n'Roll ist viel härter als die Musik jeder Metalband. Musik ist freilich auch das zentrale Thema dieses Films, der mehrfach an Cameron Crowes 70er-Nostalgie Almost Famous erinnert.

Genau wie Crowe gelingt es auch Herek, mit den fiktiven Bands »Steel Dragon« respektive »Blood Pollution« den Hard-Rock-Sound einer vergangenen Ära eindrucksvoll wiederzubeschwören. Die filmeigenen Kompositionen »Stand Up« und »We All Die Young« fügen sich nahtlos in einen Soundtrack ein, der ansonsten aus Klassikern der 80er besteht. Musik wie diese wird heute eigentlich nicht mehr gemacht. Bands wie Queen, Frankie Goes to Hollywood und INXS gibt es nicht mehr, und Bon Jovi sind nur noch die weichgespülte Variante ihres einstigen Selbst.

Da Herek hinter die Kulissen blickt, liefert er uns auch gleich die Erklärung hinzu, warum Stars wie Freddie Mercury oder Michael Hutchence auf der Strecke blieben. Dieser moralische Touch wirkt zwar ein wenig aufgesetzt, zumal Herek und sein Kameramann Ueli Steiger mehr als einmal den Faszinationen des Glamours erliegen. Doch davon abgesehen bietet Rock Star kurzweilige und musikalisch äußerst ansprechende Unterhaltung. 1970-01-01 01:00

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #25.
© 2012, Schnitt Online

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