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Die Ritterinnen

D 2003. R,B,S: Barbara Teufel. K: Ralph Netzer. M: Daily Terror, The Wipers. P: Mediopolis. D: Jana Straulino, Ulla Renneke, Katja Danowski, Mieke Schymura u.a.
96 Min. Neue Visionen ab 21.8.03

Fauler Kompromiß

Von Mark Stöhr Es ist ein Jammer, einem Film das ganze Herzblut seiner Macher anzumerken, einen überwältigenden Input von persönlichem Engagement und kreativer Euphorie, und letztlich doch zu dem Schluß zu kommen: Da wurde zu viel gewollt, da wurde das Material durch einen Durchlauferhitzer des fortwährenden Ausprobierens, Neu-Überdenkens und Wieder-Verwerfens geschickt, bis am Ende ein fauler Kompromiß aus unverträglichen ästhetischen und dramaturgischen Anläufen herauskam. Barbara Teufel und ihre Ritterinnen ist so ein Fall. Sie hat darin viele Filme gemacht, aber zu dem einen hat es nicht gereicht.

Dabei ist das Sujet wirklich toll: Teufel schaut zurück auf ihre Zeit in Berlin-Kreuzberg, als sie im Zuge der revolutionsähnlichen Unruhen am 1. Mai 1987 mit sechs Mitstreiterinnen die autonome Frauengruppe Die Ritterinnen gründete und einige Sommer der Anarchie lang die Utopie eines selbstverwalteten Lebens zu verwirklichen suchte. Sie wählte dafür das In-Genre des Dokumentar-Dramas, wollte dieses jedoch gleichzeitig austricksen, indem sie Veteranen-Statements, Archivaufnahmen und Off-Kommentare nicht mit ausgearbeiteten Spielsituationen, sondern szenischen Improvisationen mixte. Der durchaus nachvollziehbare Versuch, damit die damals herrschende Atmosphäre von explosiver Spontaneität und frei flottierender Phantasie noch stärker in den Film zurückzuholen, läuft jedoch ins Leere. Denn die staksigen, mitunter peinlichen theatralischen Episoden bringen die grundsätzlich sowieso schon fragile Konstruktion dieser filmischen Mischform, die eine Art zweite, fiktionale Authentizität zu erzeugen versucht, zum Einsturz. Was bleibt, ist ein übermotiviertes Schattenboxen mit dokumentarischem Mehrwert. Ein Jammer. Wirklich. 1970-01-01 01:00

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #31.
© 2012, Schnitt Online

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