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Risiko – Der schnellste Weg zum Reichtum

Boiler Room. USA 1999. R,B: Ben Younger. K: Enrique Chediak. S: Chris Peppe. M: The Angel. P: Team Todd, New Line. D: Giovanni Ribisi, Vin Diesel, Ben Affleck, Nia Long, Nicky Katt, Tom Everett Scott, Ron Rifkin u.a.
119 Min. Kinowelt ab 18.5.00
Von Carsten Happe Es sollte ein Wall Street für die HipHop-Generation werden. Diese Ambition spürt man in fast jeder Einstellung; in einer Szene, in der die Hauptdarsteller vor dem Fernseher sitzen und die Dialoge aus jenem Film mitsprechen, wird man sogar mit der Nase darauf gestoßen. Daß Oliver Stones Film allerdings in den Tempeln der Hochfinanz spielt und Risiko im Keller (boiler room) einer Anlagefirma am Stadtrand, ist bezeichnend. Das ist nicht die gleiche Liga, kaum derselbe Sport!

Trotzdem wird in diesen Katakomben gutes Geld verdient, manch einer der dort arbeitenden Yuppies ist binnen weniger Monate zum Millionär geworden, trägt mittlerweile Designer-Anzüge und fährt Ferrari, kultiviert aber – und das ist ein weiteres Manko gegenüber Wall Street – sind die Neureichen noch lange nicht; fast jede Bar- oder Restaurantszene endet mit einer Schlägerei. Mittendrin und überall dabei, verfolgen wir den Aufstieg des 19jährigen Collegeabbrechers Seth Davis, der im Boiler Room von »J.T. Marlin« um Erfolg und bei seinem gestrengen Vater um Anerkennung ringt. Schon bald muß er jedoch erkennen, daß die Geschäftspraktiken der Firma keineswegs immer sauber sind; dementsprechend schnell hat er das FBI im Nacken und muß sich entscheiden: Millionen oder Moral? So weit, so bekannt.

Leider schafft es Autor und Regiedebütant Ben Younger nie, Interesse oder gar Anteilnahme für Seth Davis zu wecken, die Affäre mit der Rezeptionistin von »J.T. Marlin« erscheint völlig aufgesetzt, und alle anderen Hauptdarsteller wirken aufgrund ihrer Arroganz durch die Bank unsympathisch. Nur die kurzen, prägnanten Szenen von Ben Affleck ragen aus dem Grau in Grau der Anzüge und Kellerwände heraus. Auch die formale Ebene des Films vermag kaum zu fesseln, lediglich in den Anfangsminuten trauen sich die Filmemacher, den Bildern eine eigene Handschrift und einen eigenen Rhythmus zu geben; danach wird alles der dürftigen Handlung untergeordnet.

Ben Younger stand nach eigener Aussage kurz davor, selber Mitglied eines Boiler Rooms zu werden; er hätte seine Skrupel besser über Bord werfen sollen, statt diesen Film zu drehen: Der schnellste Weg zu Reichtum und Anerkennung ist Risiko sicher nicht. 1970-01-01 01:00
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