— — —   DER SCHNITT IST OFFLINE   — — —

Riding Giants

USA 2004. R,B: Stacy Peralta. B: Sam George. K: Peter Pilafian, Don King, Sonny Miller, Grant Washburn. S: Paul Crowder. P: Forever Films, Studiocanal.
101 Min. Delphi ab 7.7.05

Surfen ist unser Leben

Von Frank Brenner Daß man über ein und dasselbe Thema und sogar mit den teilweise gleichen Interviewpartnern zwei völlig unterschiedliche Dokumentationen drehen kann, wird uns gerade eindrucksvoll im Kino bewiesen. Dana Browns Step Into Liquid hatte vor einem Monat seinen deutschen Kinostart, da kommt mit Stacy Peraltas Riding Giants bereits die zweite Surferdokumentation auf hiesige Leinwände. In beiden Filmen bekommen wir eindrucksvolle Aufnahmen von gigantischen Wellen zu sehen, die den Adrenalinspiegel eines jeden Surfers in die Höhe schnellen lassen. Hier wie dort sind die Dokumentationen rasant geschnitten und mit das Tempo vorantreibenden Musikstücken unterlegt. In beiden Fällen kommen Experten zu Wort, die aus ihrer Faszination für die Naturgewalten keinen Hehl machen und mit Anekdoten die Geschichte des Surfens lebendig machen.

Doch Stacy Peraltas Riding Giants fesselt die Zuschauer ungleich mehr als Dana Browns doch sehr pathetisch und wirr geratener Beitrag zum Thema. Peralta, der bereits mit seiner ungewöhnlichen Skaterdokumentation Dogtown & Z-Boys für Aufsehen sorgte, hat seinen Film frisch und mitreißend in Szene gesetzt. Er beginnt mit einer kurzen, ironisch-bissigen Zusammenfassung der bisherigen Surfgeschichte, um schließlich dem gefährlichen Extremsport in drei Kapiteln aufschlußreich und fesselnd zu begegnen. Da das Surfen Ende der 50er Jahre einen neuerlichen Popularitätsschub erfuhr, der sich in der Folgezeit zu immer extremer werdenden Wagnissen emporschraubte, verfolgt Peralta die Entwicklung dieser Sportart anhand dreier Surfgebiete, die exemplarisch für diese Entwicklung stehen und jeweils ihre spezifischen Legenden produziert haben.

Greg Noll ist als exzentrische Leitfigur der König der Surfer Südkaliforniens, Pionier des Big Wave Surfings am Waimea Beach. Jeff Clark machte in den 70er Jahren das Maverick-Surfen an der Küste Nord-Kaliforniens populär, und der bekannteste Surfer der Welt, Laird Hamilton, revolutionierte in den 90er Jahren den Sport durch den Einbezug von Jet-Ski-Fahrzeugen. Das daraus entstandene Tow-In-Surfing ist die radikalste und gefährlichste Form des Wellenreitens geworden.

Durch die drei thematischen Blöcke, die sich durch ihre Protagonisten, ihre Zeit und ihren Ort voneinander abgrenzen, hat Peralta seinem Film den Halt gegeben, der durch seine Flut an Fotos, Filmausschnitten und Interviewpassagen unbedingt benötigt wird. Sowohl der Informationsgehalt von Riding Giants, der dem Zuschauer auch Einblicke über die gegenkulturellen Wurzeln des Sports gewährt, als auch seine filmische Gestaltung, stellen seinen unmittelbaren Konkurrenten Step Into Liquid mit Leichtigkeit in den Schatten. 1970-01-01 01:00
© 2012, Schnitt Online

Sitemap