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Ride with the Devil

Ride With the Devil.USA 1999. R: Ang Lee. B: James Schamus. K: Frederick Elmes. S: Tim Squyres. M: Mychael Danna. P: Good Machine. D: Tobey Maguire, Skeet Ulrich, Jewel, Jeffrey Wright, Tom Wilkinson, Jonathan Brandis u.a.
138 Min. Tobis ab 4.1.01

Unter Bürgern

Von Oliver Baumgarten In den vergangenen dreihundert Jahren spalteten drei große Kriege auf heimatlichem Boden die Bevölkerung der USA. Der Stellenwert zumindest zweier dieser Auseinandersetzungen ist nach wie vor ungebrochen hoch, Blut-und-Boden-Parolen wie Freiheit, Gleichheit, Unabhängigkeit und Verbrüderung wurden filmisch tausendfach erzählt. Unabhängigkeitskrieg und Civil War bilden den glorifizierten Grund für die Legende der so freiheitlichen USA. Schmerzlich war vor allem der Civil War, aber – so suggerieren die Geschichtsbücher – doch nötig für die Schaffung der staatseigenen Prinzipien und für die Yankeesierung der Welt.

Für den in Taiwan geborenen Ang Lee ist der Civil War ein Bürgerkrieg unter vielen anderen. Ang Lee geht es nicht um ein Richtig oder Falsch von Idealen. Ride With the Devil beschreibt eher ihren vollkommenen Verlust in einer Generation, die mit einem Krieg aufwächst und in ihn verstrickt wird. Gerade der Schulbank entwachsen, werden so Jake und Jack in die wahnwitzigen Wirren des Bürgerkriegs im Missouri von 1862 hineingezogen. Als sie Zeugen des Mordes an Jacks Vater durch die Hand marodierender Nordstaatler werden, schließen sie sich einer improvisierten Rebellentruppe der Südstaatler an. Der feige Mord, dessen sie ansichtig wurden, wird zur Motivation. Sprüche und Parolen, die sie seit den Kindheitstagen begleitet hatten, scheinen sie in ihrem gewaltsamen Tun zu bestätigen. Eine Überzeugung besitzen sie nicht. Sie partizipieren an einem Krieg, weil er ihnen vorgelebt wurde.

Tobey Maguire und Skeet Ulrich gelingt es bravourös, die notgedrungene Ignoranz von Idealen in ihren Figuren umzusetzen. Besonders Tobey Maguires Jake schützt ein Desinteresse und eine Gefühlskälte vor, durch die stetig die gesamte Tiefe seiner Figur dringt, ohne daß es expliziter Worte bedarf. Daß am Ende ausgerechnet ein Kind seine Lethargie ins Wanken bringt, liest sich kitschig, stellt sich in der Konsequenz der Erzählung aber als cleverer Zug heraus. Überhaupt zeichnet sich das Drehbuch von James Schamus, der schon den kolossalen The Icestorm für Lee schrieb, durch außergewöhnliche Zurückhaltung aus.

Ride With the Devil ist nicht zum sentimentalen Epos verkommen, sondern richtet sich in hoher Konzentration auf die beschränkte Welt seiner »Bushwhackers«, wie die Rebellen genannt werden. Auf gigantische und blutige Schlachtfelder, die ein Heldenepos im Stile von The Patriot braucht, verzichtet Schamus. Sein mikrokosmischer Blick durchbricht das Pathos, geht tiefer, und Ang Lees und Frederick Elmes' Bilder sind dementsprechend häufig befreit von Oberflächenchic, sträuben sich gegen eine konventionsbedingt aufdrängende Entschlüsselung.

Vor allem diese den Bildern zugrundeliegende Spannung macht Lee zu einem präzisen und faszinierenden Geschichtenerzähler, der die 138 Minuten braucht und sie bis zur letzten Sekunde mit dem ihm eigenen Zauber zu belegen versteht. Lees Zurückhaltung, fast Bescheidenheit in Momenten, in denen in Mainstream-Filmen nicht selten über das Ziel hinausgeschossen wird, diese Fähigkeit, die er mit nur wenigen Regisseuren wie Clint Eastwood teilt, ist bewundernswert und eine Wonne obendrein. 1970-01-01 01:00

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