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Rhythm Is It!

D 2004. R: Thomas Grube, Enrique Sánchez Lansch. K: René Dame, Marcus Winterbauer. S: Dirk Grau, Martin Hoffmann. M: Karim Sebastian Elias. P: Boomtowmedia, Cineplus, RBB, arte. D: Sir Simon Rattle, Berliner Philharmoniker, Royston Maldoom, Susannah Broughton, Volker Eisenach, Martin Eisentraut u.a.
100 Min. Piffl Medien ab 16.9.04

Zukunftsmusik

Von Frank Brenner Für viele stellen klassische Konzerte, Ballett und Tanztheater Luxusgüter dar, ohne die man genauso gut leben könnte wie mit ihnen. Werden in desolaten Haushaltskassen von Ländern und Städten Kürzungen verordnet, um nicht noch weiter in die roten Zahlen abzurutschen, sind nicht selten zunächst die Sektoren Kunst und Kultur betroffen. Sir Simon Rattle ist seit der Spielzeit 2002/2003 Chefdirigent der Berliner Philharmoniker und hat sich in dieser Funktion schon von Anfang an aktiv in Projekten engagiert, die bislang eher in kleinerem Rahmen und ohne die nötige öffentliche Beachtung von dem weltbekannten Orchester initiiert wurden. Unter dem Titel »Zukunft@BPhil« ermöglichen die Musiker kreative Projekte, mit denen in erster Linie junge Menschen aus den unterschiedlichsten sozialen Schichten zu einer aktiven Auseinandersetzung mit Musik angeregt werden sollen.

Thomas Grube und Enrique Sánchez Lansch haben die Berliner Philharmoniker bei ihrem Tanzprojekt zu Igor Strawinskys »Le Sacre du printemps« über mehrere Monate hinweg begleitet. Dabei ist eine ausgezeichnete Dokumentation entstanden, die sowohl die Arbeitsweisen des Dirigenten Rattle als auch die des Choreographen Royston Maldoom auf eindringliche Weise festhält, als auch einige der über 200 Kinder in den Mittelpunkt rückt, die sich als Laientänzer für das großangelegte Unterfangen freiwillig gemeldet hatten. Nicht nur dank der überzeugenden Argumentationen von Rattle und Maldoom wird man deshalb im Laufe des Films auch zu der Einsicht gelangen, daß die Künste viel eher eine Notwendigkeit denn ein Luxus sind. Die Schüler, die sich im Vorfeld weder für klassische Musik interessiert, noch irgendwelche praktischen Erfahrungen im Ausdruckstanz mitgebracht hatten, entdeckten durch das Strawinsky-Projekt nicht nur ihre Begeisterungsfähigkeit in diesen ihnen bislang unbekannten kulturellen Feldern, sondern erkannten auch, daß mit dem harten allwöchentlichen Training neue soziale Bindungen entstehen und Kräfte freigesetzt werden können, die ihnen gar nicht bewußt waren. Den beiden Filmemachern gelingt es über die Vermittlung dieser wichtigen Erkenntnisse hinaus, die Originalmusik Strawinskys auf harmonische Weise in das Gesamtkonzept ihrer Dokumentation zu integrieren und einen Bogen zwischen der Thematik von »Le Sacre du printemps« und dem realen sozialen Umfeld der Laientänzer zu schlagen. Royston Maldoom merkte einmal an: »You can change your life in a danceclass.« Jetzt liegt es nur noch an den Meinungsträgern, die Bedeutung der Künste für das alltägliche Leben zu erkennen und zu fördern. 1970-01-01 01:00
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