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Resident Evil

D/GB/F 2002. R,B: Paul Anderson. K: David Johnson. S: Alexander Berner. M: Marco Beltrami, Marilyn Manson. P: Constantin, New Legacy, Davis. D: Milla Jovovich, Michelle Rodriguez, Eric Mabius, James Purefoy, Colin Salmon, Marisol Nichols u.a.
Constantin ab 21.3.02

Zombie-Splatter

Von Carsten Tritt Im Jahr 1979, also just in dem Jahr, als Bernd Eichinger Hauptgesellschafter der Constantin-Gruppe wurde, brachte eben dieser Verleih George A. Romeros Meisterwerk Dawn of the Dead auf die deutschen Leinwände – freilich in einer den deutschen Zensurverhältnissen entsprechend arg gekürzten Version. Dennoch muß der Film wohl auch auf Eichinger einigen Eindruck gemacht haben. Denn über zwanzig Jahre später ist es wohl vor allem ihm zuzuschreiben, daß nun erstmals eine deutsche Produktion einen wichtigen Beitrag zu diesem Genre liefert.

In den letzten Jahren ist es recht ruhig um den Zombiefilm geworden. Seitdem Hollywood vor allem auf Teenie-Horror setzt, und Peter Jackson beschlossen hat, nur noch Kinderbücher zu dreistündigen Monumental-Kinderfilmen zu verarbeiten, trat der Splatterfilm zuletzt nur noch in Form von Billigstproduktionen und schlechten Videofilmchen meist nur mäßig talentierter Fans in Erscheinung. In solcher Lage ist die Constantin-Produktion Resident Evil eine äußerst freudige Überraschung auf dem Filmmarkt.

Da die Massen von jugendlichen Splatterfreunden inzwischen vor allem in Computerspielen ihre Befriedigung finden, bot ein solches Spiel auch die Vorlage für den Film Resident Evil. Im wesentlichen geht es hier darum, in einem unterirdischen Industriekomplex gegen eine Flut von Untoten zu bestehen. Der Engländer Paul Anderson hat Regie und Drehbuch übernommen, und – zumindest was die Inszenierung angeht – ordentliche Arbeit abgeliefert und in bester Weise die Kunst der Zerstörung. Seine Orientierung an klassischen Vorbildern wie Dawn of the Dead, vor allem aber der etwas schwächeren Fortsetzung Day of the Dead ist unübersehbar; er hetzt allerdings neben den klassischen Zombies auch Zombiehunde und ein fieses Endmonster auf seine Protagonisten, deren Zahl dementsprechend auch immer weiter reduziert wird.

Resident Evil entwickelt dabei mit seiner Reduktion auf Blut- und Schockeffekte ein beachtliches Unterhaltungspotential. Das ist vor allem der Tatsache zu verdanken, daß der Film auf die übliche Selbstironisierung verzichtet, ohne die am Ende – aufgrund der vorgegebenen Absurdität des Genres – sich kaum ein Filmemacher einen Zombiefilm zu drehen getraut hat. Anderson hingegen beweist, daß es auch anders geht, wenn man nur bereit und fähig ist, gewisse überflüssige Gesetze der Logik elegant zu umschiffen.

Daß Resident Evil kein vollkommen gelungenes Werk ist, liegt allerdings an den erheblichen Schwächen des Drehbuchs. Darin werden zwar einige sehr interessante Charaktere entwickelt: etwa die Hauptfigur der Alice, deren Findung ihrer eigenen Rolle in dem Spiel durchaus nachvollziehbar gestaltet ist, sehr sehenswert auch die Figur der »Red Queen«, des intelligenten Überwachungscomputers des Industriekomplexes. Jedoch scheitert die Dramaturgisierung der verschiedenen Charaktere völlig, da es nicht in ausreichendem Maße gelingt, ein Zusammenspiel der Figuren zu inszenieren und viele Parts dann doch nicht richtig entwickelt werden können. Auch kommt die Hintergrundgeschichte – die die Entstehung der Zombies behandelt – zu kurz im Verhältnis zu dem Maße, in dem sie zuvor betont wurde, so daß am Ende vieles in dem Film arg aufgesetzt wirkt. Hinzu kommen die Dialoge, die dann doch für einige unabsichtliche Komik sorgen und deren Schwächen durch die absolut mißlungene und lustlose deutsche Synchronisation noch potenziert werden.

Da Resident Evil allerdings in erster Linie kein Handlungsfilm ist, bleibt es aufgrund der Inszenierung der Zombieattacken im Mittelteil beachtlich und hat durchaus die Möglichkeit, einen bleibenden Eindruck im Genre zu hinterlassen. Eine Fortsetzung mit dem Titel Resident Evil: Nemesis hat Eichinger schon angekündigt. Nachdem die wesentlichen Grundlagen dafür auch am Ende dieses Films gelegt werden, besteht eigentlich kein Grund, die Fehler des ersten Teils zu wiederholen, so daß man sich nach dem Genuß von Resident Evil darauf schon freuen kann. 1970-01-01 01:00
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