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Die Reise der Pinguine

La marche de l'empereur. F 2005. R,B: Luc Jacquet. B: Michel Fessler. K: Laurent Chalet, Jerome Maison. S: Sabine Emiliani. M: Emilie Simon. P: Bonne Pioche, Buena Vista u.a.
86 Min. Kinowelt ab 13.10.05

Frivole Frackträger

Von Melanie Balz Ein Dokumentarfilm über Kaiserpinguine? Ist das nicht ein bißchen langweilig, könnte man sich fragen, denn diese Vogelart lebt in der wohl lebensfeindlichsten Gegend, die die Erde hervorgebracht hat, und dementsprechend karg sind auch die zu filmende Flora und Fauna. Die Reise der Pinguine ist aber ein moderner Dokumentarfilm der besonderen Sorte, der sich in eine neue Generation der Dokumentationen, wie z.B. Deep Blue und Le peuple migrateur, einreiht.

Es ist Februar und Ende des antarktischen Sommers. Die Pinguine schießen wie Pfeile zwischen den Eisschollen aus dem Wasser. Die Vögel treten alsbald ihren kilometerweiten Gewaltmarsch durch die unfreundliche Landschaft bis hin zu ihrem traditionellen Fortpflanzungsort an. Sobald sie diesen erreicht haben, beginnen sie mit ihren wochenlangen Liebestänzen und Gesängen. Haben sie sich einmal gefunden, bleiben sie treuherzig für die ganze Saison zusammen, wobei sie auch nur ein Ei pro Jahr legen, dessen Ausbrütung, allen Widrigkeiten der Gegend trotzend, ihr einziger Lebenszweck zu sein scheint. Hat das Weibchen das Ei gelegt, übergibt sie es mit größter Vorsicht an ihren Partner, der die nächsten zwei Monate für dessen Bebrütung zuständig sein wird, während sie im Ozean ihre verbrauchten Reserven auftankt. Er bleibt zurück in der schrecklichen Angst, sie könnte nicht oder nicht rechtzeitig zurückkommen, was das unausweichliche Ende ihres Nachwuchses bedeuten würde.

Um dem Zuschauer Gefühlsregungen dieser Art von Seiten der Pinguine zu suggerieren, bedient sich Jacquet eines trickreichen Stilmittels: Er gibt einem Paar und dessen Nachwuchs Stimmen und verleiht ihnen so menschliche Züge. Die Gefahr, dabei ein wenig zu dick aufzutragen und ins Pathetisch-Kitschige abzudriften, ist groß und zumindest bei den deutschen Stimmen nicht immer zu umschiffen gelungen. Gelungen ist dafür aber der Soundtrack zum Film, komponiert von Emilie Simon, der die Stimmung der unvergleichlichen Bilder von Schnee und Eis auf nahezu poetische Weise unterstützt. 1970-01-01 01:00

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #40.
© 2012, Schnitt Online

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