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Reine Nervensache 2

Analyze That! USA 2002. R,B: Harold Ramis. B: Peter Steinfeld, Peter Tolan. K: Ellen Kuras. S: Andrew Mondshein. M: David Holmes. P: Baltimore Spring Creek Picture, Face, Tribeca. D: Robert De Niro, Billy Crystal, Lisa Kudrow, Joe Viterelli u.a.
95 Min. Warner ab 9.1.03
Von Christian Gruber Große Chancen hatte dieser Film schon vorher nicht: Billy Crystal gehört seit jeher nicht zu der Art Komödianten, die mir mehr als ein Schmunzeln entlocken. Außerdem scheint Robert De Niro mit großem Genuß an der Zerstörung seines Denkmales mitzuwirken, und wenn mit Reine Nervensache 2 noch das Sequel eines uninteressanten Kassenerfolges auf dem Plan steht, kann eigentlich nichts Brauchbares dabei herauskommen.

Regisseur Harold Ramis fügt noch ein übriges hinzu, indem er bei der Weiterführung der Mafiakomödie auf Nummer sicher geht. So wird Reine Nervensache 2 keine einfallsreiche Fortsetzung, sondern orientiert sich vollkommen an der eng gestrickten Erfolgsformel des ersten Versuches. Robert De Niro mimt erneut den verkorksten Mafioso-Macho, und der vollbärtige Billy Crystal gibt ein weiteres Mal seine Version des modernen Vorstadt-Sigmund Freud zum Besten.

Der Film setzt am Ende der Story seines Vorgängers ein. Vitti sitzt in Sing Sing ein und erwehrt sich diverser Mordversuche. Er dreht scheinbar durch und gibt fortan die »West Side Story« zum Besten oder verfällt in Katatonie. Psychiater Dr. Sobel muß helfen, und Vitti wird in seine Obhut gegeben. Von nun an spult der Film komplett sein bekanntes Muster ab. Einzig De Niros und Crystals Charaktere sind diametral angelegt. Während der psychotische Mafioso, im ersten Teil von Panikattacken und Weinkrämpfen befallen, nun gefaßt agiert und seine Psychosen nur vortäuscht, leidet Sobel sichtlich unter dem Tod seines dominanten Vaters. Diesen Verlust kaschiert er mit erhöhtem Arzneimittelkonsum, was zu typischem Crystal-Humor im Sushi-Restaurant führt.

Für Flair soll eine ganze Riege von klassischen Mafiosi-Darstellern sorgen, allen voran Joe Vitelli und Raymond Franz. Leider bleiben auch diese Herren nur Staffage für ihre Hauptdarsteller, die anscheinend einen Riesenspaß bei den Dreharbeiten hatten. So suggerieren zumindest die mittlerweile schon fast üblich gewordenen Abspann-Outtakes. Wenn wenigstens die Dreharbeiten Spaß gemacht haben, dann wollen wir den Beteiligten diesen Beitrag zur Kategorie »Filme, die die Welt nicht braucht« auch nicht weiter übel nehmen. 1970-01-01 01:00

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Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #29.
© 2012, Schnitt Online

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