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Reine Nervensache

Analyze This. USA 1999. R: Harold Ramis. B: Peter Tolan, Harold Ramis, Kenneth Lonergan. K: Stuart Dryburgh. S: Christopher Tellefsen. M: Howard Shore. D: Robert De Niro, Billy Crystal, Lisa Kudrow, Joe Viterelli, Chazz Palminteri u.a.
103 Min. Warner ab 20.5.99
Von Nikolaj Nikitin Kaum eine andere Profession eignet sich für den Kinoprotagonisten wie der Gangster – einer der ersten Filme erzählte von einem Postraub. Seitdem bot das Zelluloid so ziemlich alle Arten des bösen Mannes: Cagney, Brando und Pacino verkörperten miese, skrupellose Mobster. Dabei war eine Ausprägung immer besonders verlockend: die Mafia. Der Clan mit seinem Ehrencodex und seiner unerbittlichen Rache.

Allerdings haben wir uns nie gefragt, ob diese gewissenlosen Schurken nicht ab und zu von Depressionen befallen werden. Regisseur Harold Ramis (Ghostbusters) widmet sich diesem Gedanken und sucht sich für die Hauptrolle ausgerechnet den Godfather aller Godfathers: Robert De Niro – sorry Brando, bist ein bißchen zu fett geworden, Al, du warst eh immer überschätzt und Joey, du bist einfach zu klein.

De Niro als New-Yorker-Boß Paul Vitti (in Anlehnung an den Vito C. aus G.) bekommt jedesmal einen Panikausbruch, wenn er jemanden umnieten muß, weint bei Werbespots der Altervorsorge (eine der genialsten Szenen des Films) und kriegt's bei seiner Geliebten nicht mehr so richtig hin. Genug Probleme für einen Normalsterblichen, aber erst für einen Mafiosi, kurz vor einem wichtigen Familientreffen. Und was machen New Yorker, wenn sie Probleme haben? Richtig, sie gehen zum Psychiater (besonders laut W.A. aus N.Y.).

Seelenklempner Billy Crystal ist von seinem neuen Patienten nicht gerade angetan, denn der vor der Heirat Stehende hat genug zu tun mit der eigenen Psyche.

Aber Dank eines witzigen Drehbuchs, das genügend Wendungen besitzt, erleben wir nicht nur die Läuterung des Saulus zum Paulus, und die des kleinen unsichern Mannes zum obercoolen Macker, sondern leider auch nebenbei die einzig nervige Nebenhandlung: die Hochzeit Crystals mit der absolut deplazierten Lisa Kudrow. Was hat diese Fernsehserienzicke eigentlich auf der Leinwand zwischen richtigen Männern, pardon Schauspielern verloren?

Zudem bietet Analyze This streckenweise grandios komische Anspielungen und herrliche Selbstparodien De Niros. 1970-01-01 01:00
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