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Reine Chefsache

In Good Company. USA 2004. R,B: Paul Weitz. K: Remi Adefarasin. S: Myron Kerstein. M: Stephen Trask. P: Depth of Field. D: Dennis Quaid, Scarlett Johansson, Topher Grace, Marg Helgenberger, David Paymer u.a.
109 Min. Tobis ab 24.3.05

Der Synergie-Effekt

Von Frank Brenner Wenn man weiß, daß Paul Weitz der kreative Kopf hinter Reine Chefsache ist, hat man als anspruchsvoller Kinofan vielleicht keine allzu große Lust mehr, sich den Film anzuschauen. Vorausgesetzt natürlich, man weiß, daß Paul Weitz der Regisseur von American Pie war, und auch die beiden Fortsetzungsfilme noch produziert hat. Wenn man dann zusätzlich noch erfährt, daß es in Reine Chefsache um einen reifen Familienvater geht, der seinen Posten als Anzeigenleiter in einem Sportmagazin an einen neuen Boß abtreten muß, der sein Sohn sein könnte, und das Ganze eine Komödie ist, hat man sich vielleicht schon wider besseres Wissen gegen einen Film entschieden, der seine Zuschauer in der Tat gehörig zu überraschen versteht. Denn Reine Chefsache ist eine ziemlich clever konstruierte Komödie, die Bezug nimmt zur aktuellen Politik vieler profitorientierter Unternehmen und dabei auf originelle und pointierte Weise zu unterhalten versteht.

Carter Duryea ist ein Überflieger in der Mobilfunkbranche. Ehe er sich dessen bewußt ist, wird er vom Besitzer der Firma Globecom für den Job als Anzeigenleiter bei der »Sports America« empfohlen, die ebenfalls Teil des multimillionenschweren Mischkonzerns ist. Ohne die geringste Ahnung im Anzeigengeschäft wird er zum Vorgesetzten des alteingesessenen Dan Foreman und verliebt sich zu allem Überfluß auch noch in dessen Tochter. Foreman muß einerseits aufgrund der synergetisch motivierten Schrumpfung des Unternehmens um seinen Job fürchten, will sich jedoch andererseits von dem unerfahrenen Neuling auf dem Chefsessel nicht alles gefallen lassen.

Reine Chefsache funktioniert nicht zuletzt deswegen so ausgezeichnet, weil er mit Topher Grace in der Rolle des unsicheren Firmenchefs Carter Duryea ausgezeichnet besetzt ist. Der smarte Newcomer kann sowohl die Selbstzweifel des unerwartet aufgestiegenen Jungmanagers als auch dessen verbissenen Ehrgeiz glaubwürdig in seiner Figur vereinen. Man leidet mit Dennis Quaids Dan Foreman, wenn sich dieser widerwillig unterordnen und langjährige Mitarbeiter auf Anweisung von oben entlassen muß, kann in den Szenen mit der von Scarlett Johansson gespielten Foreman-Tochter Alex jedoch auch die sympathischen Eigenschaften Carters erkennen. Paul Weitz beweist genügend Fingerspitzengefühl, um laute Kalauer zu vermeiden und letzten Endes eine Moral zu transportieren, die nicht aufgesetzt oder unecht wirkt. Sein Film ist eine liebenswerte Komödie zu einem ernsten Thema, die man sich ohne jegliche Vorurteile bedenkenlos anschauen kann. 1970-01-01 01:00
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