— — —   DER SCHNITT IST OFFLINE   — — —

Red Eye

USA 2005. R: Wes Craven. B: Carl Ellsworth. K: Robert Yeoman. S: Patrick Lussier, Stuart Levy. M: Marco Beltrami. P: DreamWorks Pictures, Bender-Spink. D: Rachel McAdams, Cillian Murphy, Brian Cox, Jack Scalia u.a.
85 Min. UIP ab 8.9.05

Zweifelhafte Ersparnis

Von Patrick Hilpisch Während des Vorspanns zu Red Eye wartet Regisseur Wes Craven mit einer für das Thrillergenre äußerst klassischen Eröffnungssequenz auf. Er verkettet auf den ersten Blick unzusammenhängende Ereignisse, die sich jedoch im Laufe der Handlung als interdependente Puzzleteile einer minutiös geplanten Verschwörung entpuppen sollen. So wohnt man dem Diebstahl einer Brieftasche, mysteriösen Verpackungs- und Versendungsaktionen eines noch nicht näher bestimmbaren Gegenstandes und Aufnahmen architektonischer Baupläne bei. Unterstützt durch einen dramatisierenden Score will Craven mit diesen Bildern das Bewußtsein für eine zunächst im Hintergrund schwelende Gefahr generieren. Der Zuschauer wird mit Informationen versorgt, die ihn als genreerfahrenen Kinogänger die nun folgenden Ereignisse mit der Erwartungshaltung verfolgen lassen, daß sich diese Informationsfetzen zu einem spannenden, möglichst dichten Thrillergewebe verdichten.

Doch letztendlich entpuppen sich die »bedeutungsschwangeren« Einstellungen als marginale Details, deren Mehrwert sich im Laufe des Films zu schnell erschöpft und die nicht halten, was sie versprechen. Vielmehr verpufft das diesen innewohnende »Suspense-Potential« bereits während der langwierigen Einführung der Hauptcharaktere zu Beginn des Films und kann beim tatsächlichen Rückbezug auf dieses »Vorwissen« nicht mehr hinreichend aktiviert werden. Das Scheitern dieses simplen Suspense-Effektes steht geradezu symptomatisch für den restlichen Film, denn im Verlauf des eigentlichen Plots, der in seinem Grundkonzept stark an noch junge Vorläufer wie Collateral oder Phone Booth erinnert, fährt Craven einige durchaus existente Potentiale ebenfalls an die Wand.

Ein sich zunächst charmant gerierender Killer, der sich selbst lieber als Manager bezeichnet, zwingt während eines Interkontinentalfluges die Hotelmanagerin Lisa Reichert dazu, sich an der Vorbereitung eines Attentates zu beteiligen. Sie soll dafür sorgen, daß ein in »ihrem« Hotel gastierender Politiker in ein anderes Zimmer verlegt wird, damit die Attentäter freie Bahn haben. Als psychologisches Druckmittel wird nicht der eigene Tod, sondern das vorzeitige Ableben des geliebten Vaters angedroht.

Die Entscheidung, die junge Frau während eines Fluges mit dieser ausweglosen Ausnahmesituation zu konfrontieren, sie somit durch die hermetische Abgeschlossenheit des Jets jeglicher Fluchtmöglichkeit und potentieller Hilfe zu beschneiden, soll den Thriller hier um das berühmte Psycho erweitern. Und Craven vermag es sogar zeitweise, durch die gezielte Verwendung von Nah- und Großaufnahmen, affektive Bindungen und ein Gefühl der Unmittelbarkeit beim Zuschauer zu erzeugen, die dann wiederum durch die unnötige Redundanz dieses filmischen Mittels und die begrenzten dramaturgischen Möglichkeiten des Settings zu verflachen drohen. Craven scheint dies ebenfalls aufgefallen zu sein, denn nach der Landung des Jets versucht er, die »Längen des Fluges« mit ausuferndem Aktionismus zu kompensieren. Dabei geht er jedoch derart schematisch vor, daß der Showdown eher penetrant aufgesetzt als spannend unterhaltend daher kommt. Und auch die Motivationen und Ängste seiner Charaktere – wie etwa der plötzliche Befreiungsschlag seiner Protagonisten – werden nur dürftig und trivial-psychologisch begründet.

Mit einer ungewohnten Ernsthaftigkeit bemüht Wes Craven in Red Eye Standards, die er noch in seiner Scream-Reihe ironisch und selbstreflexiv gebrochen hat, attestiert sich somit kreativen Stillstand und bietet Unterhaltung auf TV-Niveau. Die roten Augen eines schlaflosen Nachtfluges (so die freie Übersetzung des Titels) bleiben einem aufgrund der überschaubaren Länge von 85 Minuten dann geradeso erspart. 1970-01-01 01:00
© 2012, Schnitt Online

Sitemap