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Reconstruction

DK/S 2003. R,B: Christoffer Boe. K: Manuel Alberto Claro. S: Mikkel E.G. Nielsen, Peter Brandt. M: Thomas Knak. D: Maria Bonnevie, Nicolas Bro, Krister Henrikkson, Nicolaj Lie Kaas u.a.
88 Min. MFA ab 10.6.04

Die Liebe im Zeitalter der Rekonstruierbarkeit

Von Constanze Frowein Ist es die Rekonstruktion von Wirklichkeit, die Möglichkeit des frei verfügbaren Veränderns einer Geschichte, die das Medium Film so reizvoll macht? Der allwissende, oder doch eher altkluge Erzähler in Reconstruction warnt bereits zu Beginn des Films aus dem Off: »Es ist alles nur Film. Es ist alles konstruiert – aber es schmerzt dennoch!«

Wir erfahren: Es dreht sich um das alte, immer wiederkehrende Thema Liebe; zwei Menschen begegnen sich. Woher weiß man, ob es der andere ernst meint? Wer ist der andere wirklich? Läßt man sich auf eine komplette Veränderung von jetzt auf gleich für einen einzigen Menschen ein? Oder ist alles nur Spiel – Fake?

Christoffer Boe stellt die Figuren seines Films vor, indem er zu paßbildartigen Porträts Beruf, und Beziehungen untereinander knapp anreißt, ihre Garderobe feinsäuberlich sortiert als Charakteristikum präsentiert. Da ist die elegante Schriftstellergattin Aimee, die auf den hippen, cool wirkenden Jung-Fotographen Alex in einer noch hipperen Bar trifft. Alex wiederum hat schon eine Freundin, Sophie, die wie Aimee von Maria Bonnevie gespielt wird. Nach einer spontanen Nacht mit Aimee ändert sich das Leben für Alex radikal: Seine Freunde erkennen ihn nicht mehr, selbst Sophie scheint nicht zu wissen, wer er ist.

Aufgrund detektivhafter Kameraarbeit wie dem Satellitenfoto zwecks Ortung der Personen, Einfrieren von Bildern und Nahaufnahmen angstverzogener oder erstaunter, meist aber entrückter Gesichter, wähnt der Zuschauer die Möglichkeit der Entschlüsselung des Filmes. Ihm wird vorgegaukelt, er könne durch seine Aufmerksamkeit Licht ins Dunkel der Verwirrung bringen.

Es ist alles Schall und Rauch – so auch Boes' Hommage an die Liebe. Denn hier scheint ein junger Regisseur durch die perfektionistische Ästhetik der Werbung entscheidend geprägt worden zu sein. Eine destruktivere Arbeit kann man sich kaum vorstellen, denn zuletzt löst der Film sich dadurch , daß er nicht mehr als das ist, was wir im Titel bereits erfahren.

Die Charaktere sind zu perfekt, die Bilder entsprechen einem ach so guten Geschmack des neuen Jahrtausends, die Liebenden sagen das, was der Romantiker per se schon immer mal hören wollte. Hochgestylte Klischeehaftigkeit versteckt sich unter dem Deckmantel des Prädikates wertvoll! Das I-Tüpfchen setzt da noch die Auszeichnung: »Caméra d'or in Cannes 2003«. 1970-01-01 01:00
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