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Rebell in Turnschuhen

Stick It. USA 2006. R,B: Jessica Bendinger. K: Daryn Okada. S: Troy Takaki. P: Happy Landing Production. D: Jeff Bridges, Missy Peregrym, Vanessa Lengies, Nikki Soohoo u.a.
103 Min. Buena Vista ab 13.7.06

Teenwork

Von Serbastian Gosmann »Was haben die, was wir nicht haben?«, entfährt es der zickigen wie naiven Kunstturnerin Joanne, als sie mitansehen muß, wie die coolen Sunnyboys nach dem Basketballzocken in das von zwei heißen Blondinen vorgefahrene Cabrio hüpfen. »Ein Leben?« »Zeit.« »Titten.« So lauten die lapidaren, aber durchaus von Weitsicht zeugenden Antworten ihrer drei Teamkolleginnen. Ihrer Rolle als weltfremde Gymnastiknerds scheinen sich die Mädels also mittlerweile bewußt zu sein. Ausgelöst hat diesen Sinneswandel die Heldin des Films: der Rebell in Turnschuhen, wie sie vom deutschen Verleih liebevoll genannt wird. Haley ist nämlich eine ganz Harte. Erst vor kurzem wurde die notorische Gesetzesbrecherin von der Polizei aufgegriffen, nachdem sie auf einer Baustelle bei einem waghalsigen BMX-Manöver ein Fenster zerschmettert hat. Damit aber noch nicht genug: Haleys Strafregister ist prall gefüllt mit solchen oder ähnlichen gesellschaftszersetzenden Missetaten! Gottseidank verfügen die Vereinigten Staaten heuer über eine ebenso intakte wie barmherzige Jurisdiktion, die solche schweren Fälle bei der Hand nimmt und sie erfolgreich auf den Weg der Tugend zurückführt.

Während also Haleys aufrührerisches Wesen in Burt Vickermans Eliteschmiede wenn nicht gänzlich zerstört, so doch zumindest gezügelt werden kann, absorbieren die Mitturnerinnen die von ihr ausgehenden subversiven Schwingungen und mausern sich nach und nach zu selbständig denkenden Individuen. Kaum zu glauben, angesichts all der Hirnrissigkeiten, zu denen sie sich vom Drehbuch haben hinreißen lassen müssen. Tumbe, unmündige Teenager bevölkern die Leinwand. Und selbst der beturnschuhte, zugegeben ausnehmend hübsche, Gegenpol kommt nicht weniger scherenschnitthaft daher.

Dazu reicht Musikvideoregisseurin Jessica Bendinger lauter vor Coolness strotzende Hochglanzbilder, mit denen sie allerhand Zielgruppengerechtes anstellt. Vervollständigt wird der überlange Sportclip durch zeitgemäße Rock- und Popmusik. Ein weiterer Film für die MTV-Generation eben. Hip. Hip. Und nichts weiter.

Das hehre Ziel der guten Frau Bendinger jedenfalls, dem werten Publikum einmal das harte Leben der armen, von elterlichem Geltungswahn verhunzten Turngören aufzuzeigen und deren daraus resultierenden Höchstleistungen zu verdienter Anerkennung zu verhelfen, ist nicht nur ein alter Hut mit Bart; das Vorhaben fällt ganz und gar der Lächerlichkeit anheim. Denn ihre eigene, jedweder (in jenem Falle dringend benötigter) Authentizität zuwiderlaufende Inszenierung läßt eine fruchtbare Umsetzung dieses Ansinnens gar nicht erst zu. 1970-01-01 01:00

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Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #43.
© 2012, Schnitt Online

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