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Rat Race

Rat Race. USA 2001. R: Jerry Zucker. B: Andy Breckman. K: Thomas Ackerman. S: Tom Lewis. M: Elmer Bernstein. P: Paramount Pictures. D: Whoopi Goldberg, John Cleese, Cuba Gooding jr., Rowan Atkinson, Jon Lovitz, Seth Green, Kathy Najimy u.a.
111 Min. Senator ab 8.8.02
Von Frank Brenner Als Stanley Kramer, von Zuschauern und Kritikern gleichermaßen geschätzter Regisseur und Produzent vieler bedeutender Kinowerke (z.B. The Wild One, Judgment at Nuremberg) 1963 It's a Mad Mad Mad Mad World herausbrachte, hagelte es geradezu Verrisse, und so mancher Rezensent war entsetzt, daß Kramer nach all seinen sozialkritischen und anspruchsvollen Filmen nun diese Komödie gedreht hatte. Der Regisseur versuchte die Bendenken zu zerstreuen und wies auf die tiefere Bedeutung des hochkarätig besetzten Slapsticks hin: Wenn sich dem Durchschnittsbürger die Möglichkeit bietet, an ein Vermögen zu kommen, wird er zur raffgierigen Hyäne, die über Leichen geht.

It's a Mad Mad Mad Mad World ist heute genauso ein Klassiker wie Kramers »seriöse« Filme…

Rat Race, das modernisierte Quasi-Remake der »total verrückten Welt« wurde von Jerry Zucker inszeniert. Der braucht sich wenigstens keine Gedanken darüber zu machen, das von ihm etablierte Image als Regisseur mit diesem Film zu gefährden. Zucker ist zusammen mit seinem Bruder David und Jim Abrahams verantwortlich für einige der blödsinnigsten, aber witzigsten Filme der 80er Jahre. Wie bezeichnend, daß in ihren deutschen Titeln auch häufig das Wort verrückt vorkommt.

In Rat Race gibt der Millionär John Cleese sechs ausgewählten Durchschnittsbürgern samt ihrem Anhang die Möglichkeit, zwei Millionen zu gewinnen. Die Jagd nach dem Geld und das Wetten auf den glücklichen Sieger bietet einer Reihe weiterer gelangweilter Millionäre spaßigen Zeitvertreib. Die moralische Komponente um korrumpierenden Reichtum bekommt in Zuckers Variante also gar einen doppelten Boden. Wie er die Spiel- und Verschwendungssucht der Bonzen bloßstellt geschieht mit einer lange nicht mehr gesehenen, erfrischenden Respektlosigkeit. Zucker und sein Drehbuchautor Andy Breckman kennen keine heiligen Kühe – im Gegenteil: Kühe bekommen auch ganz schön ihr Fett weg!

Diese fast schon anarchische Dreistigkeit, mit der alles und jeder durch den Kakao gezogen wird, macht den Film zu einer sehr vergnüglichen Angelegenheit. Die Selbstverständlichkeit, mit der auch das Dritte Reich und Neonazis dem Spott preisgegeben werden, wäre in Deutschland undenkbar, ist aber nichtsdestotrotz äußerst komisch. Man sollte dem lauten amerikanischen Humor schon aufgeschlossen gegenüberstehen, um an diesem Film Gefallen zu finden. Nach all den Scary Movies und American Pies war es jedenfalls mal wieder an der Zeit, eine Komödie zu sehen, die – obwohl sie genauso in Einzelepisoden zerfällt und wie Kramers Original das Problem hat, eine ganze Reihe von Handlungssträngen immer wieder miteinander verknüpfen zu müssen – ein rasantes Tempo vorweisen kann und der sogar mit Überlänge in keiner Minute die Puste ausgeht. 1970-01-01 01:00

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Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #27.
© 2012, Schnitt Online

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