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Ralf Königs Lysistrata

Lisístrata. E 2002. R,B: Francesc Bellmunt. K: Julián Elizalde. S: Jaume Martí. M: An der Beat. P: Fair Play Films, A. Llorens Olivé P.C.. D: Maribel Verdú, Juan Luis Galiardo, Javier Gurruchaga, Cristina Solana, Eduardo Antuña, Antonio Belart, Tete Delgado u.a.
89 Min. Kinowelt ab 16.12.04

Toll trieben es die alten Griechen

Von Frank Brenner Zwei Jahre ist er schon alt, der Film von Francesc Bellmunt, der in Spanien gedreht wurde und auf einer Comicvorlage des schwulen deutschen Knollennasenzeichners Ralf König basiert. Königs Vorlage ist immerhin schon siebzehn Jahre alt, und warum bislang noch niemand hierzulande auf die Idee kam, den Comic zu adaptieren, nachdem der ebenfalls auf einem König-Comic basierende Film Der bewegte Mann zu einem der erfolgreichsten deutschen Filme avancierte, sei mal dahingestellt. Immerhin wissen wir nun, daß »Lysistrata« auch bei den Spaniern bekannt genug ist, daß man daraus eine Realverfilmung zimmert. Und genau darin liegt, wie schon so oft, eines der zentralen Probleme des Films: Es ist ein Film mit Schauspielern und keine Zeichentrickversion!

Lysistrata und ihre Freundinnen von der Frauen-Power-Bewegung haben es im Jahre 411 vor Christus satt, daß seit 30 Jahren Krieg zwischen den Athenern und den Spartanern herrscht und wollen mit einer List den Frieden erzwingen. Es gelingt ihnen, sämtliche Frauen Athens dazu zu bewegen, sich mit ihnen auf der Akropolis zu verschanzen und damit ihren kämpfenden Männern die mit dem abendlichen Sex einhergehende Erleichterung zu verweigern. Als die Soldaten schon mit schmerzenden Dauererektionen umherlaufen, ergreift der listige Transvestit Hepatitos die Gunst der Stunde und verordnet den Männern Zwangshomosexualität, damit sie wieder erleichtert in den Kampf ziehen können. Bei den Spartanern wird die gleiche Strategie gefahren, und schon bald finden die heterosexuellen Krieger Gefallen an der gleichgeschlechtlichen Liebe.

Königs Comicvorlage, die sich vage an Aristophanes' antikem Drama gleichen Titels orientiert, ist natürlich hoffnungslos überzogen, unrealistisch und entspricht den feuchten Träumen schmachtender Schwuchteln. Den Großteil ihres Witzes bezieht sie aus den gelungenen optischen Gags der Königschen Zeichnungen und aus Bezügen zur Neuzeit, die sie aus den ulkigen Namen der Charaktere (Terrine, Ohropax, Domestos, etc.) und Lebensgewohnheiten bezieht. Da »Lysistrata« aber schon seine siebzehn Jahre auf dem Buckel hat und Bellmunt sich ausschließlich auf die Dialoggags der Vorlage verläßt, wirkt vieles reichlich platt und veraltet. Die optischen Vorzüge kann ein Realfilm kaum umsetzen, zumal einiges auch nur in der Übertreibung der im Comic möglichen Direktheit wirkungsvoll funktionieren kann. Man wird häufig das Gefühl nicht los, daß Homosexualität hier wieder eher als banale Quelle für stupide Lacher genutzt werden soll und man sich nicht etwa mit den Schwulen über die Skrupel der heterosexuellen Männer und ihrer Berührungsängste lustig macht. Wieder einmal wurde nach Wie die Karnickel ein König-Comic fürs Kino mehr schlecht als recht adaptiert – wann kommt nun endlich der erste König-Zeichentrickfilm? 1970-01-01 01:00
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