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Die Prophezeiung

Bless the Child. USA 2000. R: Charles Russell. B: Tom Rickman. K: Peter Menzies jr. S: Alan Heim. M: Christopher Young. D: Kim Basinger, Jimmy Smits, Rufus Sewell, Ian Holm, Christina Ricci u.a.
107 Min. Advanced ab 9.11.00
Von Konrad Lischka Wenn Schneeflocken von einem wolkenlosen Himmel auf steinerne Gargoyle in der Gräue Manhattans zwischen Abend und Nacht herabfallen, kriecht zwangsläufig ein unangenehmes Gefühl von den Füßen herauf. Bless the Child schafft es in seinem ersten Drittel, das Gefühl zu einer verstörenden Vorahnung zu steigern.

Die geschiedene, allein lebende Kim Basinger hat am Weihnachtsabend auf einmal ihre vermißte, drogenabhängige Schwester vor der Tür sitzen. Sie verschwindet schnell – läßt aber ihr Neugeborenes da. Natürlich entwickelt Basinger Muttergefühle und natürlich stimmt etwas mit dem Kind nicht. Die Kleine kann tote Vögel zum Leben erwecken. Sie scheint eine innere Stimme zu hören, was ihr die Diagnose leichten Autismus' einbringt. Doch als sich dies zum Konflikt verdichtet, die Bedrohung sichtbar wird, verwandelt sich die heraufkriechende Vorahnung in ordinäre Übelkeit.

Der Film schwankt schlimmer als ein Schiff zwischen dem Versuch, das Übernatürliche zu zeigen und es zugleich rational zu erklären. Das Mädchen ist etwas in Richtung einer Wiedergeburt Jesu oder eines Propheten. Das Böse will ihre Kraft auf seine Seite ziehen, wie schon bei Jesus in der Wüste. Leider nur versteift sich der Film, das Böse weltlich zu beschreiben. Der Stellvertreter des Teufels auf Erden ist Gründer einer Selbsthilfe-Sekte ehemaliger Drogenabhängiger. Doch nie spürt man einen Hauch der klaustrophobischen Angst, der eine Sekte ausmacht. Bedrohlich ist sie allein, weil sie mit dem Jenseitigen in Verbindung steht. Und das Jenseitige ist allein bedrohlich, weil es sich in Form einer Satan-Scientology manifestiert. Die Gleichung geht nicht auf, da sie keinen ihrer Pole allein gelten lassen kann.

Sehenswert bedrohlich sind kurze Aufnahmen eines Zimmers, dessen Boden zuckende Rattenleiber bedecken, von Dämonen, die ein verfallenes Haus in einem Ghetto umfliegen. Aber dies wird durch ein Zwinkern und Kopfschütteln des sehenden Darstellers relativiert. Will der Film dann etwas wirklich Übernatürliches zeigen, vertraut man ihm nicht mehr – und lacht. Ein unfreiwilliger Scream-Effekt. Am Ende helfen allein Revolver, FBI und State Trooper gegen das Böse. Einer der Charaktere meint, der Teufel wolle zunächst den Glauben an Gott zerstören, dann erst versuche er, den Menschen zu gewinnen. Bless the Child zerstört jeden Glauben an das Gesehene – ohne etwas zu gewinnen. 1970-01-01 01:00
© 2012, Schnitt Online

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