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Der Prinz von Homburg

Il principe di Homburg. I 1998. R,B: Marco Bellochio. K: Giuseppe Lanci. S: Francesco Calvelli. M: Carlo Crivelli D: Andrea di Steffano, Barbara Bobulová, Anita Laurenzi u.a.
81 Min. Concorde/VCL
Von Thomas Warnecke Selbst der müdeste Deutschlehrer hätte uns Heinrich von Kleist nicht langweiliger verkaufen können: Aus dem Drama, das meisterhaft den Konflikt zwischen Individuum und (militärischer) Rechtsordnung schildert und im wahrsten Sinne des Wortes traumhaft auflöst, macht Regisseur Marco Bellochio – nichts. Völlig unverständlich verlegt er Ort und Zeit der Handlung, die Schlacht bei Fehrbellin 1675, in ein nicht näher definiertes 19. Jahrhundert, taucht seine Charaktere in mattes Halbdunkel und filmt denkbar uninspiriert die Vorlage Szene für Szene ab.

Prinz Friedrich von Homburg, der im Heer des »Großen Kurfürsten« als Oberst schon zwei Niederlagen verschuldet hat, widersetzt sich bei seiner dritten Chance dem vorgegebenen Marschbefehl, womit er aber am diesmal positiven Ausgang der Schlacht nicht ganz unbeteiligt ist. Trotzdem muß Homburg vors Kriegsgericht, fürchtet angesichts der drohenden Todesstrafe nur noch um sein nacktes Leben, bis er schließlich sein Unrecht einsieht, und erst daraufhin kann der Kurfürst ihm gegenüber Gnade walten lassen – das Ganze in nicht mal neunzig Minuten. Vor lauter Text bleibt keine Zeit, in der Spannung aufkommen könnte; wer die Vorlage nicht kennt, wird weder den Konflikt noch dessen Lösung nachvollziehen können. Es gibt kein einziges Bild, keine Einstellung, die dieses Machwerk rechtfertigten – selbst die sparsamen Schlachtenszenen wirken allenfalls – freilich unfreiwillig – komisch. 1970-01-01 01:00
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