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Princesas

E 2005. R,B: Fernando León de Aranoa. K: Ramiro Civita. S: Nacho Ruiz Capillas. M: Alfonso Vilallonga, Manu Chao. P: Reposado, Mediapro. D: Candela Pena, Mariana Cordero u.a.
113 Min. Piffl ab 4.1.07

Calle del Sol

Von Thomas Warnecke Es gibt das schwindsüchtige Kurtisanenmelodram, das Sozialdrama vom Absturz in die gewerbsmäßige Ausbeutung des Körpers, die selbstbewußt-patente Mama-Hure des italienischen Neorealismus und das Märchen vom Prinzen, der sich den Status als einziger Freier erst erkauft und dann verdient. Vielleicht sind Sex und Prostitution nach wie vor am besten bei der Zote aufgehoben, jedenfalls ist die Hure im Film ein gut beackertes Sujet.

Princesas ist eine Milieuschilderung der Madrider Prostitution im Zeitalter der Globalisierung, aber wer will schon von sich behaupten, den Realitätsgrad des dargestellten Milieus beurteilen zu können? Der Film erzählt aus der Perspektive der Sexarbeiterinnen selbst, die Kamera blickt aus dem Friseursalon, in dem Caye und ihre spanischen Kolleginnen zusammenhocken und über Brustvergrößerungen reden, nach draußen, wo die Konkurrenz aus Übersee die Preise verdirbt. Bei der eigentlichen Arbeit sehen wir sie praktisch nie bzw. bekommen den Eindruck, daß diese hauptsächlich aus Herumstehen und mobiler Erreichbarkeit besteht. Natürlich geht es um Drogen und AIDS und um Ausgrenzung auch unter den Prostituierten selbst. Aber auch um Gespräche, die um Wunschträume kreisen: genreüblicher Kitsch, jedoch sorgt der hier für die benötigte Motivation, weiterzumachen und wenigstens die Illusion zu haben, irgendwann mit heiler Haut aus diesem Gewerbe herauszukommen.

Wie schon in Montags in der Sonne erweist sich Fernando León de Aranoa als Melancholiker, der diese Gefühlslage auf den Zuschauer vor allen Dingen zu übertragen scheint, indem er seinen Darstellerinnen zuschaut, Zeit gibt und keine falsche Dramatik aufbürdet. Sie sehen aus wie Nutten und sind doch schön, sie plappern manchmal das Fernsehgewäsch nach und müssen trotzdem nicht in armseliger Stammelei auf Prekariat machen. Das Elend will eher entdeckt werden, als daß Aranoa es konstruiert und zeigt. Würdelos mag das Geschäft sein (aber ist das nicht jede bezahlte Arbeit?), die Princesas in Aranoas Film sind es nicht. 1970-01-01 01:00

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #45.
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