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The Prestige – Meister der Magie

The Prestige. USA 2006. R,B: Christopher Nolan. B: Jonathan Nolan. K: Wally Pfister. S: Lee Smith. M: David Julyan. P: Touchstone. D: Hugh Jackman, Christian Bale, Michael Caine, Scarlett Johansson, David Bowie u.a.
128 Min. Warner Bros. ab 4.1.07

Wo ist das Kaninchen?

Von Maike Schmidt Ein Zaubertrick ist eine diffizile Angelegenheit. Klar in seiner Struktur, ist er doch mit dem Ziel entstanden, dieser Klarheit entgegenzuwirken, so daß der Zuschauer, wenn nicht völlig verblüfft, so doch wenigstens angetan ist, hinter dem Zauber, den Irrwegen, die klare Struktur zu erblicken.

Der Aufbau eines solchen Tricks gestaltet sich in drei Stadien. Die erste Stufe, genannt »the pledge«, ist die Vorbereitung des Zuschauers auf den Clou: Vorstellung der handelnden Personen, der Requisiten und der Räumlichkeiten. Dieses erste Stadium gibt dem Zuschauer ein Versprechen: das Versprechen darauf, verzaubert zu werden, das Versprechen, daß das Kaninchen in dem Hut verschwinden wird, das Versprechen, daß alles mit rechten Dingen zugeht. Der Hut wird präsentiert, genau wie das Kaninchen, das darin verschwindet. Es kommt zur zweiten Stufe: »the turn«, die Wendung. Der leere Hut wird gezeigt, das Publikum ist verblüfft. Doch ein wahrer Zaubertrick ist hier noch nicht zu Ende. Ein Magier, der was auf sich hält, der sein Ansehen nicht verlieren möchte, muß nun das dritte Stadium erreichen: was in Bezug auf das Kaninchen bedeutet, daß es wieder auftauchen muß, denn sonst ist das alles zwar nett, aber nicht magisch. »The prestige« ist dann das, was dem Zauberer zur Ehre gereicht und ihn zum Einzigen unter vielen macht.

Wie kann das auf einen Film übertragen aussehen? Einen Film, der sich sowohl thematisch als auch strukturell einer solch alten Spielweise der Unterhaltung annimmt?

Ein toter Mann treibt in einem bis oben hin mit Wasser gefüllten Glasbottich. Und da ist ein zweiter Mann, der versucht, ihn mittels einer Axt aus seinem nassen Gefängnis zu befreien – Christopher Nolans »pledge« beginnt mit einem magischen Bild. Schwerelos bewegt sich der Körper Hugh Jackmans in dem trüben blaugrünen Wasser, verzweifelt versucht Christian Bale den sinnlosen Befreiungsakt. Der Schnitt weist den Weg in einen Gerichtssaal, in dem Christian Bale zum Tode verurteilt wird – Mord ist die Anklage. Mord an seinem – wie man nun erfährt – ärgsten Konkurrenten.

Dieser Auftakt gibt ein gelungenes Versprechen, das von höchster Spannung zeugt und den Zuschauer in die Situation treibt, erfahren zu wollen, wie es dazu kommen konnte. Daß dieser Anfang das Ende ist, wird nun deutlich. Im Rückblick wird die Geschichte dieser beiden Männer erzählt; dieser beiden Magier, die auf der Suche nach dem ultimativen Zaubertrick zu Feinden wurden, das rechte Maß verloren, sich und ihre Familien zerstörten und letzlich beide sterben sollten. Dies ist Nolans »turn«, die Geschichte hinter diesem ersten Bild, hinter dem Toten und seinem vermeintlichen Mörder. Es ist eine Geschichte um Liebe und um Verrat, die auf ihrem Weg Spuren hinterläßt. Es sind Spuren, die magisch-unheilvolle Schatten vorauswerfen und dem »prestige«, dem letzten Moment, der einen Magier zu diesem Einzigen unter vielen macht, hier leider den ehrenvollen Inhalt nimmt.

Für Nolans Film muß dies am Ende leider zutreffen. Denn er fällt auf seinen eigenen Trick herein. Das, was in mühevollen und wunderbar spannend geratenen Schritten aufgebaut wurde, endet nicht mit der Verblüffung des Zuschauers, der sich fragt, wie er das wohl gemacht habe. Denn Nolan geht einen Schritt weiter. Er verrät die Hintergründe seines Zaubertricks. Und auch, wenn man während des Films auf nichts anderes wartet, als zu erfahren, was hinter den versteckten Andeutungen, den Intrigen und den falschen Fährten liegt, so ist dieser Verrat wie ein Todesurteil – alles verliert seinen Zauber.

So sieht man am Ende zwar klar, doch verblüfft mag man nicht mehr sein. Liegt diese Enttäuschung hinter einem, möchte man sich – das muß zugestanden werden – der komplexen Struktur, der einnehmenden Geschichte und den mit viel magischer Suspense agierenden Schauspielern nicht gänzlich entziehen.
Christopher Nolan versteht sich auf die kleinen Tricks und Kniffe seines Metiers, dies sei unbestritten. Es macht ihn aber zu keinem großen Magier. So ist die Tatsache, daß er bereit ist, auf sich selbst hereinzufallen, zwar durchaus lobenswert und mutig, da dem Film so eine wiederum neue Kehrtwendung implantiert wird, doch bleibt ein etwas fahler Nachgeschmack, der leider nichts Magisches mehr übrigläßt. Manchmal möchte man doch eher verzaubert werden als einer Entzauberung beizuwohnen. 1970-01-01 01:00

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