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Eine pornographische Beziehung

Une liaison pornographique. F 1999. R: Frédéric Fonteyne. B: Philippe Blasband. K: Virginie Saint-Martin. S: Chantal Hymans. M: André Dziezuk, Marc Mergen, Jeannot Sanavia. D: Nathalie Baye, Sergi López u.a.
80 Min. Scotia ab 13.4.00

Schöne Venus

Vénus beauté. F 1998. R,B: Tonie Marshall. K: Gérard de Battista. S: Jacques Comets. P: Agat Films & Cie. D: Nathalie Baye, Bulle Ogier, Robert Hossein u.a.
105 Min. Arsenal ab 6.4.00

Zwei Filme mit Nathalie Baye

Von Thilo Wydra Bis heute reihen sich Regisseurs-Namen wie Tavernier und Godard, Sautet und Pialat, Blier und Garcia aneinander, und zumindest in ihrem Heimatland Frankreich zählt sie zu den ganz Großen: Nathalie Baye. Nun ist sie gleich in zwei Filmen in der Hauptrolle zu sehen, in Tonie Marshalls Schöne Venus und Frédéric Fonteynes Eine pornographische Beziehung.

So gänzlich verschieden die beiden Filme auch daherkommen – in Look, Stil und auch Inhalt – so ähnlich sind sie sich doch, nicht zuletzt wegen des außergewöhnlichen Spiels von Nathalie Baye. In beiden Filmen ist sie auf der Suche. Ob es nun Angèle in Schöne Venus ist, die in einem Pariser Schönheitssalon arbeitet und längst die bittere Überzeugung in ihrem Herzen trägt, daß es die große Liebe ohnehin nicht gibt. Die sich auf kurze sexuelle Affären einläßt und den ungleich jüngeren Antoine, der eines Tages auf der Bildfläche erscheint und ihr unablässig Avancen macht, immer wieder aufs Neue in seine Schranken verweist. Oder ob es die Namenlose ist, die über ein Zeitungsinserat einen Mann sucht, der mit ihr eine rein sexuelle Phantasie auszuleben bereit ist und dann an Ihn gerät, einen Einfühlsamen, der zu Tränen fähig ist.

Sie könnten Schwestern sein, Angèle und die Namenlose, Verbündete im Geiste, die der wahren Liebe längst abgeschworen haben und sich stattdessen an Kurzweiligem vergnügen. Glücklich sind sie dabei beide nicht, vor allem Angèle, dieser verlorene Großstadtengel, blickt manches Mal aus den Salon-Schaufenstern, und die Melancholie ihrer haselnußbraunen Augen-Blicke ist nahezu physisch spürbar. Beide Frauen tragen die Sehnsucht in ihren Blicken. Der Namenlosen ist das Glück zwar unerwartet vergönnt, doch irgendwann sehen sie ein, daß ihr um so größeres Glück ein temporär eingegrenztes ist. Nachdem sich die Liebenden für immer getrennt haben, sieht sie ihn einmal Monate später an seinem Auto, leicht verschwommen ist ihr Blick durch das Wasser der Fontäne dazwischen, und ihre Stimme aus dem Off will sich dem Zuschauer gegenüber vergewissern, daß es gut so ist, wie es ist. Angèle hingegen findet ihr Glück, ihre Liebe, als sie dem drängenden Antoine endlich nachgibt und erliegt. Zwar zieht Antoines junge Verlobte so den Kürzeren, doch Angèle, unser Pariser Engel, schwebt endlich im siebten Himmel, und die Leuchtreklame des Salons läßt des Nachts Funken sprühen über das frisch verliebte Paar. 1970-01-01 01:00

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Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #18.
© 2012, Schnitt Online

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