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Plunkett & Macleane

GB 1999. R: Jake Scott. B: Robert Wade, Neal Purvis, Charles McKeown. K: John Mathieson. S: Oral Norrie Ottey. M: Craig Armstrong. P: Working Title. D: Jonny Lee Miller, Robert Carlyle, Liv Tyler, Ken Stott, Alan Cumming u.a.
93 Min. Universal ab 30.9.99
Von Antje Krumm Es hat Vorteile, in eine erfolgreiche Film-Familie hineingeboren zu werden. So hatte Jake Scott immerhin die Wahl zwischen drei Firmen, in denen er seine kreativen Talente erproben konnte. Doch ist es sicher auch eine Last, ständig an den Leistungen des berühmten Vaters gemessen zu werden – vor allem, wenn dieser Ridley heißt und Werke geschaffen hat, die auf jeder Liste der besten Filme aller Zeiten stehen. Einen ganz eigenen Wirkungskreis konnte sich der Sprößling als Regisseur von Videoclips und Werbespots schaffen, womit er bald zu Ruhm, Ehren und etlichen Auszeichnungen kam.

Für sein Spielfilm-Debüt hat sich Jake Scott nun die wahre Geschichte des »Gentleman Highwayman« James Macleane vorgeknöpft, der zwar nicht so berühmt wurde wie Robin Hood, aber zu seiner Zeit eine echte Attraktion war. Gemeinsam mit seinem Partner Plunkett überfiel er diverse Kutschen, setzte die Beute in schicke Klamotten um, schlich sich in die Londoner Society ein und avancierte bald zu deren Liebling, ohne allerdings seinen lukrativen Job aufzugeben. Trotz der exquisiten Besetzung der Titelrollen mit zwei amtlichen Charaktermimen wird die Beziehung der Räuber zueinander allenfalls am Rande thematisiert, die Figuren entwickeln kaum eigene Tiefe.

Jake Scott geht es genauso wenig um psychologische Spannung wie um die Inszenierung packender Raubüberfälle. Es scheinen vor allem die Bilder dieser Story zu sein, die es dem Debütanten angetan haben. Das Leben im England des 18. Jahrhunderts ist düster, und so ist auch der Film. Die Kamera schwelgt in üppigem Matsch, als Plunkett und Macleane sich kennenlernen, und in opulenten Kostümen, als ihre Beutezüge sie auf festliche Anlässe treiben.

Auch wenn Jake Scott noch viel von seiner Familie lernen könnte, gelingt es dem Clip-Profi glänzend, eine fesselnde Atmosphäre zu erzeugen. Der Höhepunkt ist ein perfekt choreographiertes Menuett, getanzt zu Trance-mäßigen Beats. Auch wenn Jake Scotts Erstling kein Film für eine All-Times-Bestenliste ist – allein diese Szene lohnt das Eintrittsgeld. 1970-01-01 01:00

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Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #16.
© 2012, Schnitt Online

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