— — —   DER SCHNITT IST OFFLINE   — — —

Playa del Futuro

D 2005. R,B: Peter Lichtefeld. B: Dirk Drebelow. K: Stefan Wachner. S: Bernd Euscher. M: Christian Steyer. P: Bosko Biati, Kinowelt. D: Peter Lohmeyer, Nina Petri, Hilmi Sözer, Outi Mäenpää, Kati Outinen, Miklos Königer u.a.
94 Min. Kinowelt ab 9.6.05

Die Entdeckung der Gemütlichkeit

Von Oliver Baumgarten Nicht viele haben das Glück, aus den unsteten Untiefen ihres dahinplätschernden Daseins an den Strand der Zukunft gespült zu werden. Dorthin, wo sie ihre zweite Chance am Schopfe packen können, bevor sie vorbeifliegt – oder dem Kosmos Peter Lichtefelds gerechter: bevor sie vorbeischwebt. Denn das Tempo des Films gestaltet sich wie schon bei seinem Vorgänger Zugvögel … einmal nach Inari als ausgesprochen wohltemperiert.

Vergleichbar ist Lichtefelds Gemütlichkeit allerdings in keinster Weise mit der Langsamkeit einer Angela Schanelec oder Filmen wie Bungalow und Schultze gets the blues. Wird dort durch vorwiegend lange, auch statische Einstellungen die Wahrnehmungsrealität eines Protagonisten nachempfunden, das Tempo also durch die Figuren bestimmt, ist es bei Lichtefeld eher das Umfeld, das diesen bedächtigen Takt vorgibt. Seine Figuren sind weder Stoiker noch von sich selbst Gelangweilte, geschweige denn Antriebsarme – ganz im Gegenteil entwickeln sie durchaus Dynamik. Es ist vielmehr die Welt um sie herum, deren unveränderliches Tempo seltsam bleiern auf ihr Gemüt wirkt. Entsprechend dann auch das dem Film vorangestellte Zitat von Sogyal Rinpoche: »Es ist wichtig, daß wir keine Zeit verschwenden. Das Leben ist kurz, und die Dinge sind vergänglich.« Und so scheint die Suche nach dem Glück für Lichtefelds Figuren zu bedeuten, ihr inneres Metronom mit dem der Welt gleichzuschalten.

Im Zentrum der Geschichte steht die klassische Dreiecksbeziehung. Jan und Rudi sind alte Freunde. Rudi ist seit Jahren mit Kati zusammen, in die wiederum Jan ebenso lange heimlich verliebt ist. Jan ist Koch aus Leidenschaft, aber in Köln-Mülheim als Bulettenbrutzler in Rudis Kneipe hängengeblieben. Eines Tages packt Rudi seine Sachen, verdrückt sich ohne Abschied von Kati nach Spanien und überschreibt Jan die Kneipe. Seine Steuerschulden hat er verschwiegen, die in Gestalt einer Gerichtsvollzieherin jäh das aufkeimende Glück von Kati und Jan zerstört. Jan ist sauer und macht sich auf zu Rudi nach Playa del Futuro.

Der hier nur grob wiedergegebene Plot wird mit zahlreichen Nebenfiguren und -geschichten angereichert, die auf äußerst charmante Art autark funktionieren, am Ende aber dann doch zu einem Punkt zusammengeführt werden. Bernd Euschers Schnitt und Stefan Wachners Kamera vermögen beim Konstruieren dieses Reigens prächtig zu harmonieren und schaffen mit Peter Lichtefeld so einen fließenden Rhythmus. Das ausgezeichnet agierende Ensemble schließlich sorgt endgültig dafür, daß man gerne dem Weg der Figuren zum Playa del Futuro folgt, dorthin, wo die Metronome harmonieren.

P.S.: Apropos Harmonie: Aus der Sicht eines Köln-Mülheimers soll an dieser Stelle noch auf die verblüffende Detailverliebtheit des Films hingewiesen werden. In den zwei Straßenszenen Köln-Mülheims hat man es etwa bei der Mischung nicht versäumt, den obligatorischen Flugzeuglärm und die Ambulanzsirene einzublenden, die diesen munteren und sympathischen Kiez mitunter prägen. Authentischer geht's ja gar nicht. Das hat dann selbst die nicht korrekte Schreibweise »Mühlheim« in der Einblendung vergessen gemacht… 1970-01-01 01:00
© 2012, Schnitt Online

Sitemap