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Pietje Bell und das Geheimnis der schwarzen Hand

Pietje Bell. NL/D/B 2002. R,B: Maria Peters. K: Hein Groot. S: Ot Louw. M: Henny Vrienten. P: filmpool, Shooting Star. D: Quinten Schram, Felix Strategier, Angela Groothuizen, Katja Herbers u.a.
112 Min. Stardust ab 19.1.06

Lausbubengeschichten

Von Melanie Balz Pietje Bell ist ein kleiner Junge im Alter von circa acht, der mit seinen Aktionen das Rotterdam der 30er Jahre auf Trab hält. Dabei handelt es sich bei diesem Jungen um eine Mischung aus Michel aus Lønneberga, Robin Hood und Emil aus »Emil und die Detektive«; während sein bester Freund Sproet, in seiner unendlichen Bewunderung, Züge von Pipi Langstrumpfs Tommy hat und die meckernde Tante des Vaters an einen Mix aus Fräulein Rottenmeier (Heidi) und der Prusseliese (Pipi Langstrumpf) erinnert. Und überhaupt drängt sich die ganze Zeit das Gefühl auf, daß man nicht nur bei den Akteuren auf alte Bekannte aus den eigenen Kindertagen trifft, sondern vielmehr alle Elemente des Films schon mal irgendwo dagewesen sind. Allerdings ist dann aber wenigstens der Held mal wieder einer der alten Bengelschule, ein richtiger Junge aus Fleisch und Blut, der weder mit irgendwelchen Spezialkräften wie der der Zauberkunst ausgestattet ist noch ein Cyber-Champion, der mit seinem Laserschwert herumschwingt und damit alle Lebenssituationen zu meistern vermag.

Pietje Bell ist ein echter Lausbub und Sympathieträger aus ärmeren Verhältnissen. Er erreicht durch Intelligenz, seine Pfiffigkeit und sein riesiges Herz, daß den Armen und Hilfebedürftigen gegeben wird und die Bösen alles verlieren oder zumindest später reuig einsehen, wie böse sie waren, bevor Pietje ihnen durch seine Taten die Augen geöffnet hat. Die Bösen des Filmes, das sind ein überzeichnet ekelerregend dargestellter Lehrer und ein stinkreicher, nicht nachdenkender, lediglich am Erfolg seines Verlags interessierter Zeitungsmogul. Es gibt nur schwarz/weiß, und die Charaktere sind oft so platt und überzogen gezeichnet, daß die 8-12jährigen Zuschauer, die das Klientel dieses Films sein sollen, schon eher gelangweilt sein könnten; längst sind sie an ganz andere Filmkaliber gewöhnt.

Auch eines erkennenswerten pädagogischen Ansatzes entbehrt der Film ein wenig; so läßt Pietjes Vater alles durchgehen und findet seinen Sohn so uneingeschränkt großartig, daß es selbst liebesverwöhnten Einzelkindern komisch vorkommen muß. Man lernt hier, daß man gegen die Verleumdungen der Zeitungen machtlos ist, denn gegen Rufmord ist kein Kraut gewachsen, Lehrer können mit einem machen, was sie wollen, auf seine besten Freunde kann man sich nicht verlassen. Wobei Pietje selbst später dem Freund, der ihn verriet, aus der Patsche hilft und für ihn einsteht. Liebevoll gestaltet ist allerdings der Drehort, die Requisiten sind gut ausgewählt.

Ein harmloser, zum Teil spannender Film mit einigen lustigen Szenen, in dem die Kinder viel smarter sind als die Erwachsenen. Ein netter Ausgleich für die lieben Kleinen zum sonstigen tristen Computerspielalltag, durch den sie nach neuesten Erkenntnissen unausgeglichen, intellektuell verkümmert, aggressiv und gewalttätig gegen Mitschüler vorgehen. Alles in allem ist es aber vielleicht auch eine gute Idee, ihnen die Lektüre des Buchs von Chris van Abkoude ans Herz zu legen, das als Vorlage zum Film diente. 1970-01-01 01:00
© 2012, Schnitt Online

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