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Pieces of April – Ein Tag mit April Burns

Pieces of April USA 2003. R,B: Peter Hedges. K: Tami Reiker. S: Mark Livolsi. M: Stephin Merritt. P: InDigEnt, Kalkaska. D: Katie Holmes, Patricia Clarkson, Derek Luke, Alison Pill u.a.
80 Min. Solo Film ab 19.2.04

Aprils Scherze

Von Maxi Braun Verlassen Schriftsteller ihre Schreibmaschine, um sich hinter die Kamera zu wagen und davor eine ehemalige Soap-Darstellerin zu platzieren, kann das riskant sein.

Der Wagemutige ist in diesem Fall Peter Hedges, der sich mit »Gilbert Grape« in die Bestsellerlisten schrieb und nach mehreren preisgekrönten Drehbüchern nun mit Pieces of April sein Regiedebüt liefert. Katie Holmes, die bisher eher unauffällig im Windschatten von Tobey Maguire in Ang Lees The Icestorm und Wonder Boys agierte, ergatterte die Hauptrolle und überrascht damit, gar kein Versteckspiel hinter großen Namen nötig zu haben.

Während sie als schlampig-punkige April lieblos in einer Instant-Füllung rührt, Süßkartoffeln maltretiert oder den nackten Truthahn-Torso aus spitzen Fingern auf den Fußboden ihres New Yorker Apartments klatschen läßt, macht sich meilenweit enfernt ihre Familie auf den Weg zum Thanksgiving-Dinner bei der verlorenen Tochter. Je näher sich diese beiden Pole kommen, desto zähflüssiger scheinen sie sich aufeinander zuzubewegen.

Pieces of April ist die Geschichte dieser räumlichen wie auch emotionalen Annäherung, Holmes und Patricia Clarkson als ihre Mutter Joy sind ihre Helden.

Denn obwohl jede für sich von einem amüsanten Kuriositätenkabinett an
Figuren wie Oliver Platt als harmoniesüchtigem Vater oder dem psychotischen Sean Hayes begleitet werden, stehen sie im Zentrum ihrer jeweiligen Odyssee.

Diese Reise birgt dann auch Raum für herrlich absurde Situationskomik, wenn plattgefahrene Eichhörnchen beerdigt oder Geiselverhandlungen wegen eines entführten Truthahns geführt werden müssen.

Natürlich ist bereits zu Beginn klar, daß die krebskranke Joy nicht die vielleicht letzte Möglichkeit versäumen wird, ihre Tochter zu treffen. Sie wird ankommen und zwar in jeder Hinsicht.

Dennoch schafft es Hedges, seine Familiengeschichte ohne falsche Sentimentalität zu entwickeln. Trotz ihrer Marotten und Ausraster bleiben April und Joy in ihrem Handeln immer nachvollziehbar und mit jedem Hindernis, das beide unterwegs überwinden müssen, wird deutlich, wie ähnlich sie sich doch im Grunde sind.

Wenn ganz zum Schluß nebst Aprils Familie auch noch sämtliche Nachbarn an einer Tafel zusammen kommen, fühlt man sich auch nicht genötigt, seine eigene Verwandtschaft bedingungslos zu lieben, nur weil gerade Nationalfeiertag ist. Aber man überlegt sich, es wenigstens zu probieren. 1970-01-01 01:00
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