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Pi

USA 1997. R,B: Darren Aronofsky. K: Matthew Libatique. S: Oren Sarch. M: Clint Mansell. D: Sean Gullette, Mark Margolis, Ben Shenkman u.a.
85 Min. Arsenal ab 8.4.99
Von Claus Löser Mit Pi kommt nun ein Film auf die hiesigen Leinwände, der wie eine amerikanische Replik auf Hans-Christian Schmids 23 anmutet, aber bereits ein Jahr vor diesem realisiert worden ist. Auch hier geht es um Zahlenmystik, auch hier verfällt ein überbegabter junger Mann paranoiden Vorstellungen und verfängt sich in einem Netz widerstreitender Mächte. Aber bei aller inhaltlichen Verwandtschaft ist Aronofskys formaler Ansatz ein ganz anderer, orientiert sich an den Traditionen des New Yorker Underground-Kinos von Jonas Mekas bis Nick Zedd.

Das einzelgängerische Mathematik-Genie Maximilian Cohen ist nichts Geringerem als einer universellen Weltformel auf der Spur, die Zugang zu den endgültigen Zusammenhängen des Seins verschaffen soll. Auf der Grundlage zu Berechnungen der Pi-Funktion hofft er, dahin vorzustoßen, »was die Welt im Innersten zusammenhält«.

Sein Tun wird allerdings überwacht von a) einem Finanzkonzern, der sich mittels der Formel optimale Spekulationsmöglichkeiten erhofft und b) einer kabbalistischen Sekte, welche die wahre, d.h. die spirituelle Wiedergeburt Israels anstrebt. Max scheint zwischen den Kräften aufgerieben zu werden, vermag aber doch noch die Notbremse zu ziehen. Jedenfalls erleben wir ihn zuletzt selig entspannt auf einer Parkbank – die allerdings auch im Garten Eden stehen könnte.

Computer-Freaks, das lehrte uns schon 23, haben weder Zeit noch Muße für Sex, auch geht ihnen jeglicher Humor ab. Vielleicht sind es diese Mängel, die auch das Vergnügen an Pi ein wenig schmälern: Trotz aller Turbulenzen um Geld, faustisches Streben, Paranoia, Mystik und Esoterik (Schaubergers Spiralentheorie läßt schön grüßen) ist man zu guter Letzt doch froh, manche Dinge nicht noch genauer erklärt zu bekommen. Egal, ob Max es nun geschafft hat oder nicht – er hat es in dramaturgischer Hinsicht gerade noch rechtzeitig getan. 1970-01-01 01:00

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #14.
© 2012, Schnitt Online

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