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Phenomenon – Das Unmögliche wird wahr

Phenomenon. USA 1996. R: Jon Turtletaub. B: Gerald Di Pego. K: Phedon Papamichael. S: Bruce Green. M: Thomas Newman. D: John Travolta, Kyra Sedgwick, Forest Whitaker, Robert Duvall, David Gallagher, Ashley Buccile u.a.
123 Min. Buena Vista ab 3.10.96

Dieser Film ist wahrhaft unmöglich

Von Markus Fritsch Immer, wenn sich die amerikanische Öffentlichkeit in einer gesellschaftlichen Krise wähnt, macht sich Hollywood an die Produktion von filmischen Mythen, die den Glauben an den american way of life aufrechterhalten sollen. Eines der wohl bekanntesten Beispiele hierfür ist It's a wonderful Life (Frank Capra, 1946), in dem ein gewisser George Bailey (James Stewart) von einem Engel am Selbstmord gehindert wird und seinen Platz in der Gesellschaft wiederfindet.

Fünfzig Jahre später werden ebenfalls überirdische Mächte bemüht, um für George Mailley (John Travolta) das Unmögliche möglich zu machen. An seinem 37. Geburtstag verläßt dieser nichtsahnend seine Stammkneipe, wird von einem Lichtkegel (Ufo? Gehirntumor?? Gott??? L. Ron Hubbard????) getroffen und besitzt von nun an überirdische Fähigkeiten, die ihn zu einer Mischung aus Forrest Gump und Jesus mutieren lassen. Travolta spielt überzeugend den Idealtypus des nice american guy, der so ist, wie jeder männliche amerikanische Durchschnittsbürger sein sollte: nett, ehrlich, aufopferungsvoll und doch allen überlegen.

Diese kleinere Version des Supermannmythos' imponiert natürlich der gesamten Gesellschaft – inklusive der CIA, welche Mailley fortan für ihre Dienste einspannen will. Doch wie fast alle männlichen Helden büßt auch Mailley seine überirdischen Fähigkeiten ein, indem er sich in eine Frau verliebt, in deren Armen er stirbt. Lace Pennamin (Kyra Sedgwick) verkörpert vom Typ her eine Mischung aus Julia Roberts und Olivia Newton-John, und wem in der ersten Hälfte des Films noch nicht langweilig geworden ist, der wird spätestens in der zweiten Hälfte merken, daß der Film trotz melodramatischer Höhepunkte in seiner eigenen Schmalzspur steckenbleibt.

Zwar ist dem Regisseur mit Phenomenon ein handwerklich ordentlich umgesetztes Melodram gelungen, die Überdosis an deplazierter Gefühlsduselei ist aber nah an der erträglichen Schmerzgrenze. 1970-01-01 01:00

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Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #04.
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