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Per Anhalter durch die Galaxis

Hitchhikers's Guide to the Galaxy. USA/GB 2005. R: Garth Jennings. B: Karey Kirkpatrick, Douglas Adams. K: Igor Jadue-Lillo. S: Niven Howie. P: Touchstone, Spyglass, Hammer&Tongs. D: Sam Rockwell, Mos Def, Zooey Deschanel, Martin Freeman u.a.
109 Min. Buena Vista ab 9.6.05

Hauchfleisch

Von Patrick Hilpisch Douglas Adams, der Vater des »Hitchhiker«-Universums, verglich einst das Filmemachen in Hollywood mit dem Versuch, ein Steak zu grillen, indem nacheinander Menschen in den Raum kommen und es anhauchen. Trotz dieser Kritik an der amerikanischen Filmproduktionen inhärenten Zersplitterung des Kreativprozesses war es der größte Wunsch des Autors, nach Radioserie, millionenfach verkaufter Romanfassung und der legendären Fernsehadaption der BBC, sein augenzwinkerndes Science-Fiction-Epos auch auf der großen Leinwand verwirklicht zu sehen. Adams, der jahrelang an einem seiner Buchreihe ebenbürtigen Filmskript arbeitete und mit verschiedenen Regisseuren und Produzenten verhandelte, war es (zum Glück) jedoch nicht vergönnt, den tatsächlichen Sprung seines Stoffes auf die »Big Screen« mitzuerleben. 2001 verstarb er nach einem Herzanfall. Um so mehr war es den letztendlich an der Realisierung des Projektes beteiligten Filmemachern ein Anliegen, das Kinoereignis Per Anhalter durch die Galaxis im Geiste des Ausnahmeautors Douglas Adams erstehen zu lassen, als eine Art posthume filmische Ehrung.

So wurde nach anfänglichem Personalienkarussell mit dem ehemaligen Videoclip-Regisseur Garth Jennings ein Mann verpflichtet, der bewiesen hatte, zumindest für die Dauer eines Musikstückes ein innovatives visuelles Konzept verfolgen zu können, und mit Karey Kirkpatrick ein aufstrebendes Drehbuchtalent, das die noch unfertigen Skriptentwürfe Adams' ausarbeiten sollte. Tatsächlich wartet Jennings in seinem Spielfilmdebüt mit durchaus ansprechenden Gags auf der Bildebene auf, die jedoch über das zentrale Manko des Filmes nicht hinwegtäuschen bzw. -trösten können: den der Vorlage aufgedrückten Hollywooderzählstil.

Denn den elementaren Kern des Romans machen die ausschweifenden Gedankenspiele der Erzählinstanz und der einmalige Adams'sche Wortwitz aus, eine hollywoodkompatible Dramaturgie kann das Buch jedoch nicht bieten. Um dem Stoff einen passenden filmdramaturgischen Rahmen zu geben, spannt Kirkpatrick nun die aus dem Buch übernommenen Storyelemente über eine Liebesgeschichte und eine lose motivierte Auseinandersetzung mit einem Superschurken. Er definiert also eindeutige Konfliktpunkte und trimmt die literarische Vorlage auf Hollywood-Plot-Niveau. Eben diese erzwungene »Linearisierung« der Handlung verhindert ein Freisetzen der chaotischen Kreativität des Buches und bestätigt auf schmerzliche Weise Adams' nun prophetisch anmutende Ansichten über Film in Hollywood.

Darüber hinaus gehen diese Veränderungen auf Kosten der Figurenentwicklung, die sich aufgrund der zwar bemühten, aber dennoch eher bescheidenen Leistung des Darstellerkollektivs ohnehin auf verlorenem Gleis bewegt. Die nahezu platte »All you need is love«-Message am Ende des Filmes, die einer Banalisierung der in der Vorlage differenziert beleuchteten und ironisch gebrochenen Frage nach dem Sinn jeglicher Existenz gleichkommt, verwandelt die Verfilmung dann endgültig in den typischen Hollywood-Einheitsbrei. Einzig in den Sequenzen, in denen die Erzählinstanz des Filmes zu Wort kommt, versprüht das Werk ansatzweise den Esprit der literarischen Vorlage, was für die Qualitäten des Buches, jedoch bedingt für die des Filmes spricht. Zugute halten muß man Jennings allerdings, daß er nicht versucht, einen »perfekten« computergenerierten Zukunftslook zu kreieren und sich diesbezüglich eher an die trashige Ästhetik der BBC-Serie anlehnt, die es wiederum eindeutig besser verstand, den ungebundenen, kreativen Geist der Vorlage wiederzugeben.

Wer sein Steak blutig mag, ist bei der Hollywood-Version von Per Anhalter durch die Galaxis gut aufgehoben, doch wem es nach einem würzigem, gutdurchgebratenen Stück Grillfleisch gelüstet, sollte zum Buch oder zumindest zur BBC-Serie auf DVD greifen. 1970-01-01 01:00
© 2012, Schnitt Online

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