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Paycheck – Die Abrechnung

USA 2003. R: John Woo. B: Dean Georgaris. K: Jeffrey L. Kimball. S: Kevin Stitt, Christopher Rouse. M: John Powell. P: Dreamworks, Paramount. D: Ben Affleck, Aaron Eckhart, Uma Thurman, Paul Giamatti u.a.
119 Min. UIP ab 22.1.04

Gehirnakrobatik

Von Maxi Braun John Woo lässt es eigentlich immer so richtig krachen. Meistens läuft alles auf ein Mann gegen Mann-Duell hinaus, bei dem der Böse – nicht selten John Travolta – das Gesicht verliert und die Welt gerettet ist. Aber da Kreativpausen ja derzeit schwer in Mode sind, muß auch ein Woo mal Kraft schöpfen, und so prügelt man sich in Paycheck nicht auf pfeilschnellen Zügen, sondern flüchtet vor bummelnden U-Bahnen.

Wo das »Ballet of Bullets« dann auch mehr Folklore-Tanz ist, kann Ben Affleck nicht so cool sein wie Nicholas Cage, kann Aaron Eckhart John Travolta nicht an Boshaftigkeit übertrumpfen und Killerbraut Uma Thurman nur müde über ihre Rolle als weibliche Staffage lächeln. Dabei hätte zumindest die Story mehr versprochen, was angesichts der Tatsache, daß Philip K. Dicks Kurzgeschichte Pate stand, kaum verwundert. Jedesmal wenn Ingenieur Michael Jennings eines seiner streng geheimen Projekte beendet hat, wird seine Erinnerung daran gelöscht. Doch während er bisher immer nur auf wenige Monate seines Gedächtnisses verzichten mußte, geht es diesmal um einen Auftrag von drei Jahren. Auch diese Zeitspanne soll anschließend aus Michaels Verstand radiert werden. Mit dem Gehalt würde er finanziell für immer ausgesorgt haben. Drei Jahre später – frisch gehirnamputiert – muß er feststellen, daß er seine Millionengage aus unerfindlichen Gründen abgelehnt hat. Was könnte der Grund dafür sein? Eine Frau, der Weltfrieden oder beides? Einziger Anhaltspunkt für Michaels Suche ist ein Umschlag mit lauter fremden, scheinbar nutzlosen Gegenständen.

Tatsächlich ganz spannend ist das Puzzlespiel um diese Utensilien, die Michael Stück für Stück zu besagter Frau und den Menschen, vor denen er eigentlich davon laufen sollte, zurück führen. Der Trip in die Innereien des Feindes ist mit allerlei pyrotechnischen Effekten gespickt, die man aber schon tausendmal spektakulärer gesehen hat. Uma Thurman steht Ben Affleck dabei wacker zur Seite, dürfte sich aber angesichts des zuvor durchlebten Kill Bill-Martyriums beim Dreh wie auf einem Kaffekränzchen vorgekommen sein.

Paycheck ist letztendlich auch nicht der komplizierte Rebus, sondern mehr Malen nach Zahlen. Für den Moment mag man sich gut unterhalten fühlen und ist sogar gespannt, was am Ende herauskommen wird. Aber ist das Bild erst komplett, wird ähnlich wie bei Michael Jennings die Erinnerung gelöscht, und was bleibt ist der unterbewußte Wunsch, Ethan Hunt wäre wenigstens mal kurz durchs Bild gehechtet. 1970-01-01 01:00
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