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Partyalarm – Nicht ohne meine Tochter

My Boss's Daughter. USA 2003. R: David Zucker. B: David Dorfman. K: Martin McGrath. S: Patrick Lussier, Samuel Craven. M: Teddy Castellucci. P: Gil Netter, John Jacobs. D: Ashton Kutcher, Tara Reid, Jeffrey Tambor, Andy Richter u.a.
86 Min. Falcom ab 10.6.04

Wenig Witz, dafür viel Urin

Von Till Grahl Wenn ein normaler Mensch im Laufe seines Leben klüger wird, dann ist Regisseur David Zucker ganz zweifellos kein normaler Mensch, denn er hat nicht nur einen eigenwilligen Humor, sondern er ist auch gegen jegliche Altersweisheit resistent: Partyalarm reiht sich nahtlos in die Filmographie des ewigen Kindskopfs ein, die ausschließlich Blödelfilme wie Die unglaubliche Reise in einem verrückten Flugzeug, Die nackte Kanone oder Scary Movie 3 umfaßt. Doch technisch und inhaltlich ist der neueste Film des Regisseurs selbst für einen notorischen Klassenclown wie Zucker unter Niveau – schlimmer noch, er ist eine Gefahr für die Gesundheit von Cast und Publikum. Der Zuschauer schwebt in der ständigen Angst, daß die Schauspieler wahlweise von ins Bild ragenden Mikrophonen oder Klischees erschlagen werden könnten, oder daß die krampfhaft konstruierte Rahmenhandlung, die als Träger der infantilen Inkontinenzwitzchen fungiert, jeden Moment über den Schauspielern zusammenbricht.

Für das Publikum ist vor allem die selten dumme Handlung gefährlich, die dem Zuschauer geradezu körperliche Schmerzen bereitet: Als der junge Lektor Tom Stansfield gebeten wird, auf das Haus seines cholerischen Verlagsbosses aufzupassen, wittert er die große Chance, sich sowohl dessen hübsche Tochter Lisa als auch eine Beförderung zu angeln. In Screwball-Manier klingeln im Minutentakt ein Drogendealer, Lisas Exfreund und zahllose weitere Verrückte an der Tür und nisten sich im Haus des Bosses ein. Zu allem Überfluß fliegt dann auch noch die depressive Eule des Chefs davon, was aber den Zuschauer auch nicht mehr berühren kann, da bis dahin so viel Dummes passiert ist, daß er gelassen hinnimmt, eine depressive Eule gehöre in jeden guten Haushalt.

Im Gegensatz zu den bisherigen Filmen des Regisseurs ist Partyalarm keine offenkundige Persiflage à la Nackte Kanone, sondern ein Film, der auf Selbstironie und Spiele mit den Konventionen des Mediums weitestgehend verzichtet und statt dessen auf Pupshumor und vermeintlich witziges Chaos setzt.

Es ist bewundernswert, wie tapfer sich Ashton Kutcher – MTV-Zuschauern aus der Versteckte Kamera-Version Punk'd oder Teenie-Komödien wie Voll verheiratet bekannt – durch diese Filmbaustelle voller Gefahren für Leib und Seele geschlagen hat. Das zeugt wahlweise von seinem starken Willen, eines Tages unbedingt auch mal in einem richtigen Film mitspielen zu dürfen, oder von dem Bewußtsein, daß man nicht ewig bei einem Musiksender arbeiten kann und deshalb keine Angebote ausschlagen darf.

Um von der Flachheit des Films abzulenken, hat Zucker gelegentlich die Rundungen von TV-Bademeisterin Carmen Elektra ins Bild gebracht. Der Plan geht auf, denn nur wenige der männlichen Zuschauer werden sich später erinnern, was genau ihre Funktion in der losen Handlung war und ob sie eine Sprechrolle hatte oder nicht.

Und weil es das Publikum angeblich danach gedürstet hat, Michael Madsen in einer komischen Rolle zu sehen, darf dieser als Drogendealer T.J. »sein komisches Talent unter Beweis stellen« (Pressetext). Neben dem, was er am besten kann – nämlich cool herumstehen – beschränkt sich dieses komische Talent allerdings darauf, im Film die gesamte Wohnungseinrichtung vollzupissen. Wer Urin für witzig hält, der wird den Film sicherlich mögen, denn davon gibt es darin reichlich. Wer aber nicht zu den Leuten gehört, die sich jedes mal vor Lachen auf der Kloschüssel krümmen, für den ist der Film eher verschwendete Zeit. 1970-01-01 01:00
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