— — —   DER SCHNITT IST OFFLINE   — — —

Paraiso

D 2003. R,S: Alina Teodorescu. K: Sorin Dragoi. M: Madera Limpia. P: Teo Film. D: Yasel González Rivera, Gerald Thomas Collymore, Angel Rubio Espinoza, Pedro Garcia Sanchez u.a.
92 Min. Kairos Filmverleih ab 1.7.04

Aburrido Fatal

Von Frank Brenner Kubanische Musik scheint es den deutschen Filmproduzenten angetan zu haben. Nachdem Wim Wenders im Jahr 1999 mit Buena Vista Social Club den Blick unserer Nation auf die impulsiven Rhythmen des Inselstaates gelenkt hatte, boomen die Klänge der singenden Rentner hierzulande wie nie zuvor. Gerade hat Wenders als Executive Producer mit Musica Cubana eine neuerliche Dokumentation in unsere Kinos gebracht, die sich mit dem Verschmelzen der alten musikalischen Traditionen mit dem Rap und Hip Hop der neuen Generation beschäftigte, folgt nun mit Alina Teodorescus Paraiso schon der nächste Beitrag zum Thema. Die in Bukarest geborene und in Deutschland tätige Dokumentarfilmerin beschäftigt sich ebenfalls mit der kubanischen Musik unserer Tage, wie sie von den »jungen Wilden« erdacht, gespielt und geradezu gelebt wird. Ihr gelingt dabei in der Tat ein wesentlich realistischerer Film als German Krals verlogen-peinliche, klischeetriefende Pseudodokumentation Musica Cubana, das Gelbe vom Ei ist aber auch Paraiso keineswegs.

Teodorescu versucht auch, eine Mischung aus Dokumentarischem und Spielszenen zustande zu bringen, doch da sie inhaltlich nur sehr wenig zu bieten hat, fallen einem viel eher die formalen Schwächen auf, als daß man sich vom Dokumentierten gefangen nehmen läßt. Die jungen Musiker, die zusammen die Gruppe Madera Limpia bilden, leben fünfhundert Kilometer von Havanna entfernt in der tiefsten Abgeschiedenheit, schreiben Texte, die sich mit ihrem unmittelbaren Alltag befassen und entwickeln ihre Musik aus gemeinsamen Jam-Sessions heraus. Darauf beschränkt sich der Informationsgehalt von Teodorescus Film. Daß einer der Musiker in einem 57er Oldtimer unterwegs ist, dem es nicht gelingt, aus eigener PS-Kraft einen kleineren Hügel zu erklimmen, ist bei den ersten zwei, drei Szenen, in denen das auf unterschiedliche Weise filmisch eingefangen wird, noch ganz amüsant. Nachdem man den gleichen Gag dann zum fünften und sechsten Mal gemolken hat, kommen dann doch Zweifel am filmischen Konzept und dem Wert des Materials auf, das den Filmemachern zur Verfügung stand. Spätestens, wenn Madera Limpia dann zum dritten Mal ihren Song »Verdad Global« mit der Textzeile »Mir ist tödlich langweilig« anstimmen, übertragen sich die Verse eins zu eins auf die Stimmung des Zuschauers. Wenn die kubanische Musikszene nicht mehr zu bieten hat, erübrigt sich wohl doch eine Dokumentation derselben. Für die kurzen, gelungenen Einblicke in die Soziologie des Landes – die in erster Linie in den chauvinistischen Sprüchen des Leadsängers artikuliert werden – lohnt sich der Kinobesuch jedenfalls bei weitem nicht. 1970-01-01 01:00
© 2012, Schnitt Online

Sitemap